Von Panzern, Bikern und Boxern – Ein Kessel Buntes auf der Krim

Simferopol/Sewastopol – Auf der Krim wird aufgerüstet. Es kommt Bewegung ins Spiel. Wurde uns bei den ausufernden Scharmützeln in Kiew von der deutschen Mainstreampresse noch die Mär von Gut gegen Böse verkauft, wird es auf der Krim nun sogar für ARD und ZDF etwas unübersichtlich.

Gut vs. Böse – ach wenn es doch so einfach wäre. Selbst während der eskalierenden Straßenschlachten in der ukrainischen Hauptstadt wichen viele der Gutgläubigen vom treuen Pfad der Tugend ab. Sie wollten der westlichen Berichterstattung nicht mehr bedingungslos Glauben schenken und fingen an, in eine Richtung zu denken, die sich im Nachhinein als begründet erwiesen hat. Nicht die Regierungstruppen, sondern der rechte Mob war letztendlich der Auslöser der brutalen Gewalttätigkeiten. Nun gestaltet sich die Situation auf der Krim noch viel komplexer.

Wer gegen Wen und wer ist eigentlich schon alles da? Die Meldungen überschlagen sich und jeden Tag besetzt scheinbar immer mal ein anderer einen Flughafen oder versucht ein Regierungsgebäude zu stürmen. Panzer sollen rollen. Tatsächlich vor Ort sind sicherlich die bisher 2.000 russischen Soldaten, die zur Sicherung des Schwarzmeerhafens Sewastopol von Moskau ausgesandt wurden. Ebenso die Sondereinheit „Berkut“, die nach ihrer Auflösung in Kiew nun als wesentlicher Bestandteil einer Krim-Miliz fungieren soll. Des Weiteren wären da noch die Krimtataren, die sich wiederum aus historischen Gründen eher der Ukraine zugewandt sehen und Moskau gerne den Stinkefinger zeigen.

Aber auch nicht gekennzeichnete, dafür aber hochgerüstete, Gruppierungen terroristischer Couleur mit sichtbar faschistoider Gesinnung mischen fröhlich mit. Und als wäre das alles nicht schon verzwickt genug, gesellen sich jetzt auch noch die Kuriosa hinzu. So sollen nach Angaben der „Bild“-Zeitung Mitglieder der „Nachtwölfe“ in Simferopol eingetroffen sein. Dieser Motorrad-Club, in etwa vergleichbar mit den „Hell’s Angels“, steht treu zu Wladimir Putin. Der wiederum reitet hin und wieder gerne auf seinem Motorrad medienwirksam mit ihnen aus. Die „Nachtwölfe“ sollen inzwischen Straßensperren in und um Simferopol errichtet haben.

Auch die russische Prominenz gibt sich mittlerweile die Ehre zu einem Stelldichein auf der Halbinsel. Gesichtet wurde bereits Valentina Tereschkowa, die erste Frau im Weltall und ebenso eine Fürsprecherin des russischen Präsidenten. Auch der 2,11 Meter große Hüne Nikolaj Walujew twitterte fröhlich, er sei schon da. Auf den sportlichen Vertreter der Ukraine, Witali Klitschko, wird indes noch gewartet. Was aber angesichts der Situation einen durchaus originellen Gedanken darstellen würde.

Stellen Sie sich einmal vor, die Entscheidung um die allgemeine Zukunft der Ukraine und der Krim im Besonderen würde in einem Boxring ausgetragen. Ausgefochten von zwei in die Jahre gekommenen ehemaligen Schwergewichts-Weltmeistern, die sich gegenseitig sportlich fair die Hucke voll hauen. Das wäre für die über eine Millionen ethnischer Russen und alle anderen auf der Krim, die im Grunde genommen nur ihren Frieden haben wollen, wohl am angenehmsten.

[mb/russland.RU]

Foto: Kai Bagus

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.