Vom Steuer in den Bus: Russlands Pendler steigen um

Vom Steuer in den Bus: Russlands Pendler steigen um

In mehreren russischen Großstädten fahren Berufstätige häufiger mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit. Gleichzeitig sinkt vielerorts der Anteil der Autofahrer. Das Jobportal SuperJob sieht darin eine Folge der angespannten Kraftstoffversorgung. Wer weiter Auto fährt, kommt teilweise schneller voran.

Die russische Kraftstoffkrise macht sich nach Einschätzung der Analysten von SuperJob inzwischen auch im Berufsverkehr bemerkbar. In einer Befragung unter Erwerbstätigen in 23 Großstädten verzeichnete das Jobportal deutliche Verschiebungen bei der Wahl des Verkehrsmittels. Besonders stark fiel die Veränderung in Nowosibirsk aus: Dort stieg der Anteil der Nutzer öffentlicher Verkehrsmittel innerhalb von zwei Jahren um 16 Prozentpunkte auf 50 Prozent. Mit dem Auto fahren noch 32 Prozent zur Arbeit.

Auch in Omsk gewann der öffentliche Verkehr an Bedeutung. Sein Anteil stieg um zehn Prozentpunkte auf 42 Prozent. In Tscheljabinsk sank der Anteil der Autofahrer um elf Prozentpunkte auf 49 Prozent. In Ufa schrumpfte der Abstand zwischen Auto und öffentlichem Verkehr von 26 auf sieben Prozentpunkte.

SuperJob führt die Entwicklung auf die Kraftstofflage im zweiten Halbjahr 2026 zurück. Allerdings erfasst der angeführte Vergleich Veränderungen über zwei Jahre. Welchen Anteil daran die jüngste Knappheit, gestiegene Kosten oder Veränderungen im Nahverkehr haben, lässt sich aus den veröffentlichten Angaben nicht getrennt bestimmen.

Weniger Autos, kürzere Fahrzeiten

Für diejenigen, die ihrem Wagen treu bleiben, hat die Entwicklung mancherorts einen angenehmen Nebeneffekt: Der Arbeitsweg wird kürzer – zumindest zeitlich. In Omsk benötigen Autofahrer nach eigenen Angaben durchschnittlich 28 Minuten, sechs Minuten weniger als zuvor. In Samara und Perm verringerte sich die Fahrzeit jeweils um acht Minuten.

Das Auto bleibt dennoch nicht überall die schnellere Wahl. In Tjumen dauert der Arbeitsweg mit öffentlichen Verkehrsmitteln im Durchschnitt 33 Minuten, mit dem Auto 35 Minuten. In Krasnodar stehen 51 Minuten mit dem Nahverkehr 54 Minuten im eigenen Wagen gegenüber. Dabei handelt es sich um Durchschnittswerte unterschiedlicher Pendlergruppen, nicht um einen Vergleich identischer Strecken.

Moskau fährt öffentlich – und lange

In Moskau und Sankt Petersburg liegt der öffentliche Verkehr ohnehin deutlich vorn. In der Hauptstadt nutzen ihn 65 Prozent der befragten Berufstätigen, während 22 Prozent mit dem Auto fahren. In Sankt Petersburg beträgt das Verhältnis 57 zu 29 Prozent. Jekaterinburg meldet dagegen Gleichstand: Jeweils 39 Prozent nutzen das Auto beziehungsweise öffentliche Verkehrsmittel.

Besonders hoch bleibt der Autoanteil in Kasan mit 55 Prozent, gefolgt von Chabarowsk mit 54 und Togliatti mit 53 Prozent.

Die Moskauer Nahverkehrsnutzer benötigen für ihren Arbeitsweg durchschnittlich 61 Minuten, Autofahrer 43 Minuten. Der Wunschwert der befragten Moskauer liegt hingegen bei nur 27 Minuten. Auch ein gut genutztes Verkehrsnetz erfüllt damit längst nicht alle Erwartungen an einen kurzen Arbeitsweg.

Die Befragung lief vom 1. Juli bis zum 21. Oktober 2026. In Moskau und Sankt Petersburg nahmen jeweils 1.500 Erwerbstätige teil, in den übrigen 21 Städten jeweils 800.

Die Ergebnisse zeigen, wie sich Mobilität unter veränderten Bedingungen verschieben kann. Ob aus dem häufigeren Griff zur Fahrkarte eine dauerhafte Gewohnheit wird, bleibt offen. Vorerst profitieren in einigen Städten ausgerechnet jene von dem Umstieg, die weiterhin hinter dem Steuer sitzen.

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