Frühstück mit Staatskonzept: Russland empfiehlt Blini und Kascha

Frühstück mit Staatskonzept: Russland empfiehlt Blini und Kascha

Russlands Industrie- und Handelsministerium möchte der heimischen Küche einen eigenen Platz auf der Frühstückskarte verschaffen. Hotels, Cafés und Restaurants sollen ein „russisches Frühstück“ anbieten. Zum Konzept gehören regionale Produkte, behördliche Unterstützung und ein eigenes Logo.

Das Problem beginnt nach Einschätzung des Ministeriums schon bei der morgendlichen Speisekarte: Englisches, französisches und kontinentales Frühstück seien verbreitet, Angebote auf Grundlage russischer und regionaler Traditionen dagegen kaum als Massenphänomen anzutreffen. Das verursache bei inländischen Touristen „Unbehagen“, berichtet Kommersant unter Berufung auf das Konzept. Schließlich seien diese Gäste an bestimmte Lebensmittel und Gerichte gewöhnt. Ausländischen Besuchern wiederum entgehe die Gelegenheit, das Land kulinarisch näher kennenzulernen.

Abhilfe soll eine gesondert ausgewiesene Kategorie „russisches Frühstück“ schaffen. Was darunter auf den Tisch kommen darf, ist großzügig bemessen: Kascha, also Getreidebrei, Blini und Syrniki – kleine Quarkküchlein – gehören ebenso dazu wie Eier, regionale Käsesorten und fermentierte Milchprodukte. Hinzu kommen Fleischaufschnitt, gesalzener und geräucherter Fisch, Kaviar, gefüllte Pasteten und anderes Gebäck. Als Getränke nennt das Konzept unter anderem Kwas, Fruchtgetränke und Kräutertees.

Wer morgens größeren Appetit mitbringt, wird ebenfalls berücksichtigt. Auch Brühen mit herzhaftem Gebäck sowie warme Fleisch-, Geflügel- und Fischgerichte stehen auf der Liste. Zwischen Quarkküchlein und Fischsuppe bleibt damit reichlich Spielraum für die Auslegung der ersten Tagesmahlzeit.

Besonderes Gewicht legt das Ministerium auf regionale Erzeugnisse. Örtliche Käsesorten, Milchprodukte, Fisch und Backwaren sollen das Angebot prägen. Dahinter steht ein nachvollziehbares wirtschaftliches Anliegen: Touristen sollen die Küche ihres Reiseziels kennenlernen und lokale Produzenten zusätzliche Nachfrage erhalten, wie Expert berichtet.

Für die Verbreitung des Formats sollen sich Regional- und Kommunalbehörden einsetzen. Hotels, Pensionen und andere Unterkünfte mit Frühstücksangebot werden angehalten, eine ausreichende Auswahl entsprechender Gerichte vorzuhalten und kenntlich zu machen. Restaurants mit ausgeprägter anderer nationaler Küche, etwa georgischer, japanischer oder italienischer, sollen dagegen nicht einbezogen werden.

Eine Pflicht zur Umstellung besteht nach Darstellung des Ministeriums nicht. Die Initiative hat empfehlenden Charakter; vorhandene Angebote sollen nicht zwangsweise ersetzt werden. Gastronomen soll vielmehr erläutert werden, welchen wirtschaftlichen Nutzen die zusätzliche Frühstückskategorie haben könnte.

Damit die kulinarische Orientierung auch optisch gelingt, will das Ministerium gemeinsam mit seiner Arbeitsgruppe zur Förderung der traditionellen russischen Küche ein eigenes Logo entwickeln. Blini und Kascha bekommen damit womöglich bald etwas, das ihnen bisher beim Frühstück fehlte: ein ministeriell betreutes Markenzeichen.

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