Die drei Supercomputer von Yandex haben die Angriffe auf die Rechenzentren des Konzerns nach Unternehmensangaben unbeschädigt überstanden. Sie werden an neuen Standorten wieder aufgebaut. Damit ist eine zentrale Sorge um die russische KI-Infrastruktur vorerst entschärft. Wann die Anlagen wieder vollständig verfügbar sind, bleibt jedoch offen.
Erstmals seit den Angriffen auf seine Rechenzentren hat Yandex Auskunft über den Zustand seiner drei Supercomputer gegeben. „Ljapunow“, „Galuschkin“ und „Tscherwonenkis“ seien unbeschädigt geblieben und aus ihren bisherigen Standorten abtransportiert worden, teilte das Unternehmen am 26. Oktober mit. Derzeit würden sie auf neuen Rechenplattformen eingerichtet.
Nach dem Neustart sollen die Anlagen wieder zur Infrastruktur der Yandex-Dienste gehören und für das Training großer Sprachmodelle eingesetzt werden. Dazu zählt auch die Entwicklung der konzerneigenen KI YandexGPT. Einen konkreten Termin für die vollständige Wiederaufnahme des Betriebs nennt die Mitteilung nicht.
Die Rechner befanden sich nach Angaben von Kommersant in den Anfang Oktober angegriffenen Rechenzentren in Sasowo in der Region Rjasan und in Wladimir. Ihre Unversehrtheit ist bislang eine Aussage des Unternehmens. Eine unabhängige Bestätigung geht aus den vorliegenden Berichten nicht hervor.
Die Nachricht korrigiert zumindest das Bild eines möglicherweise vollständigen Verlusts der Anlagen. The Bell hatte zuvor über das Risiko schwerer Schäden an allen drei Supercomputern berichtet und mögliche Folgen für Russlands Anspruch auf eine eigenständige KI-Entwicklung beschrieben. Nun gibt auch das Wirtschaftsmedium die Entwarnung des Konzerns wieder.
Allerdings sind erhaltene Rechner und wiederhergestellte Rechenleistung zwei unterschiedliche Dinge. Solange die Systeme an neuen Standorten aufgebaut werden, bleibt ihre Rückkehr in den regulären Betrieb eine angekündigte nächste Etappe. Aus der Mitteilung lässt sich zudem keine Entwarnung für sämtliche Gebäude und technischen Einrichtungen der angegriffenen Rechenzentren ableiten.
Erhaltene Anlagen, wachsender Rückstand
Wie wichtig die drei Systeme für Yandex sind, zeigt ihr Einsatz beim Training neuronaler Netze. Zugleich verweist Kommersant auf ihre nachlassende Position im internationalen Vergleich. Die Anlagen wurden 2020 und 2021 in Betrieb genommen. In der TOP500-Ausgabe vom Juni 2026 liegt „Tscherwonenkis“ dem Bericht zufolge auf Platz 101, nach Rang 75 im Vorjahr. „Galuschkin“ fiel von Platz 102 auf 134, „Ljapunow“ von 140 auf 161.
Ein solcher Rangverlust bedeutet nicht, dass die Rechner selbst langsamer geworden sind. Er zeigt zunächst, dass andere Systeme an ihnen vorbeigezogen sind. Für Yandex besteht die Herausforderung damit aus zwei Aufgaben: vorhandene Kapazitäten wieder verfügbar zu machen und mit dem Ausbau der internationalen Konkurrenz Schritt zu halten.
Die Angriffe haben darüber hinaus eine zusätzliche Anforderung an Russlands Digitalwirtschaft sichtbar gemacht: Rechenleistung muss auch physisch geschützt werden. Das Digitalministerium hat inzwischen Empfehlungen zur Sicherung von Rechenzentren vor Drohnenangriffen erarbeitet. Dazu gehören bauliche Schutzmaßnahmen, Datensicherung und die Zusammenarbeit mit Sicherheitsbehörden.
Yandex meldet somit die Rettung wichtiger Anlagen. Wie schnell daraus wieder nutzbare Kapazitäten werden und welcher Aufwand für ihren dauerhaften Schutz erforderlich ist, bleibt die nächste Frage. Für Russlands KI-Ambitionen zählt am Ende nicht allein, welche Rechner noch vorhanden sind, sondern welche zuverlässig arbeiten können.

COMMENTS