Sepp Blatter reist nur noch nach Russland

Foto: Marcello Casal Jr. / ABr-Agencia Brasil CC BY-SA 3.0Foto: Marcello Casal Jr. / ABr-Agencia Brasil CC BY-SA 3.0
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Zürich – Weil dem (noch) amtierenden Präsidenten des Welt-Fußballverbandes FIFA, Sepp Blatter, in jüngster Zeit ein ziemlicher Gegenwind wegen des Korruptionsskandals um die Ohren wehte, beschloss der Schweizer vorerst sesshaft zu werden. Das soll heißen, dass er gedenkt vorerst keine Dienstreisen ins Ausland zu unternehmen.

Gegenüber der Sonntagszeitung „Welt“ ließ der 79-Jährige verlauten: „Solange nicht alles abgeklärt ist, werde ich kein Reise-Risiko eingehen“. Seit Ende Mai dieses Jahres sieben hochrangige FIFA-Funktionäre verhaftet wurden, hat Blatter sein Heimatland nicht mehr verlassen. Denn, so wird gemunkelt, sollten sich die Verdachtsmomente auch gegen den Präsidenten richten, werden ihn die Eidgenossen garantiert nicht ausliefern. Es steht nämlich durchaus zu befürchten, dass Sepp Blatter, trotz seiner Unschuldsbeteuerungen, Gefahr läuft, in die Fänge der US-Justiz zu geraten.

Die geplante Reise zur U20-WM nach Neuseeland wurde ebenso abgesagt wie die Anwesenheit beim Finale der Frauen-WM in Kanada. „Aufgrund gegenwärtiger Verpflichtungen im FIFA-Hauptquartier“, hieß es amtlicherseits in Zürich. Aus seinem Mund jedoch hören sich die gleichen Worte an, als wären es die eines Feldherrn, dessen letzte Schlacht schon längst verloren ist bevor sie überhaupt richtig angefangen hat: „Der Kommandant bleibt beim Gefecht im Kommandoposten“. So pathetisch es sich anhören mag, man wird das Gefühl nicht los, es stecke eiskaltes Kalkül dahinter.

Eine Ausnahme allerdings kann er sich erlauben, der Blatter Sepp. Wie die „Welt am Sonntag“ erfuhr, nimmt der FIFA-Präsident an der Auslosung der europäischen Qualifikationsgruppen für die Fußball-WM 2018 am 25. Juli in St. Petersburg teil. Da die Russen kein Mitglied des internationalen Auslieferungsabkommens sind und zudem die US-Ermittlungen gegen den Fußball-Weltverband von Anfang an verurteilt haben, würden Blatter in Russland keinerlei Unannehmlichkeiten erwarten. Darüber hinaus darf Blatter Russlands Staatspräsidenten Wladimir Putin seit der Vergabe der WM 2018 an Russland zu seinen persönlichen Freunden zählen.

[mb/russland.RU]

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.