Russland und USA planen gemeinsame Mondstation

Foto: Wikipedia/NASA Public Domain

Irgendwie hat der Mond immer noch nichts von seiner Anziehungskraft verloren. Es war zwar seit langem niemand mehr oben auf dem Erdtrabanten, aber so ganz hat ihn die Raumfahrt nie aus den Augen verloren. Nun soll der gute alte Mond als Basis für fernere Exkursionen ins All dienen.

Der damalige Wettlauf zwischen Russland und den Vereinigten Staaten, wer denn nun als Erster den Mond betreten würde, ging 1969 eindeutig an die NASA. Lange Zeit sah es so aus, als wenn dieses Wetteifern der beiden „Supermächte“ der einzige Grund der Wissenschaft für das Interesse an dem Anhängsel unseres Planeten gewesen sei. Die Mission war dann auch fürs Erste zu Ende. Zwar flog man bis 1972 noch ein paar Mal hin, um Steine aufzulesen und Daten zu sammeln, danach jedoch wandte man sich sowohl bei den Kosmischen Streitkräften, später Roskosmos, und der NASA wieder anderen Dingen zu.

Nun scheint der Erdtrabant nach 45 Jahren sein Comeback zu erleben. Zum Einen will man gut betuchte Weltraumtouristen dorthin in den Urlaub locken, was theoretisch noch vor 2020 Realität werden könnte, und zum Anderen soll der Mond als Ausgangspunkt für Missionen in die unendlichen Weiten des Weltraums genutzt werden. Die USA und Russland unterzeichneten bereits ein entsprechendes Koalitionsabkommen für das Langzeitprojekt unter Federführung der NASA. Geplant ist demnach die Entwicklung einer ganz oder teilweise bemannten Raumstation, die ähnlich der ISS die Erde, den Mond in seinem Orbit umkreisen soll.

„Wir haben uns darauf geeinigt, dass wir zusammen am Bau der internationalen Raumstation Deep Space Gateway teilnehmen werden“, bestätigte der Leiter der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos, Igor Komarow, am gestrigen Mittwoch gegenüber den Medien. „Die Partner beabsichtigen, internationale technische Standards zu entwickeln, die später genutzt werden können, um insbesondere eine Raumstation im Mond-Orbit zu bauen“, hieß es bei der russischen Raumfahrtagentur.

Laut Komarow könne Russland den Bau von einem bis drei Modulen oder auch die Entwicklung einheitlicher Standards von Andockmodul-Mechanismen für Raumschiffe sowie Trägerraketen für den Transport ins All zu dem Projekt beisteuern. Die Raumstation selbst soll auf einer Umlaufbahn um den Erdtrabanten kreisen, um von dort aus Mondlandungen und weitere Flüge in die Tiefen des Weltalls vorzubereiten und zu koordinieren. Allein der einfache Flug zum Mars dauert derzeit noch rund sechs Monate und könnte durch eine Mondbasis entsprechend verkürzt werden. Man schätzt, dass die ersten Bauteile in den Jahren 2024 bis 2026 ins All gebracht werden könnten.

Viele Details stünden jedoch noch in Frage, heißt es unisono bei beiden Behörden. So ist man sich beispielsweise nicht einmal einig, in welcher Höhe die Raumstation den Mond umkreisen soll. Igor Komarow hätte auch nichts gegen eine Beteiligung der BRICS-Staaten China und Indien einzuwenden, wie er betonte. Zudem habe auch die europäische Raumfahrtagentur ESA bereits angefragt und ihr reges Interesse bekundet.

Einzig der Abschluss eines bindenden Vertrages von staatlicher Seite stünde noch aus, um dem Mond endgültig zu seiner Renaissance zu verhelfen. Genügend Erfahrung bei der Kooperation im Kosmos haben sie inzwischen ja sammeln können, die USA und Russland. Immerhin betreiben sie schon seit 1998 die rund 400 Kilometer oberhalb der Erde stationierte Raumstation ISS. Seit dem Jahr 2000 ist die Station sogar dauerhaft von wechselnden Crews bewohnt. So wie es aussieht, soll die ISS noch bis 2024 genutzt werden. Was dann mit ihr geschehen soll, steht buchstäblich in den Sternen.

[mb/russland.NEWS]

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.