Ostukraine: Militärkontrollen und Mai-Demos [mit Videos]

Geiseln noch nicht frei, weil keiner mit Geiselnehmern verhandelt? - Kampf um Straßensperren - große Mai-Demos überall im Osten - Hungerstreik und Kundgebung in Charkow

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Aus der Ostukraine gibt es heute kein so relativ ruhiges Bild, wie in den letzten Tagen. Widersprüchliches ist aus Slawjansk auch bezüglich der gefangenen Deutschen zu hören und der erste Mai wird vor allem von linken Antimaidanern genutzt.

Könnten deutsche Geiseln in Slawjansk schon frei sein?

In Slawjansk gab es zunächst eine Verlautbarung der Regierungsseite über die Eroberung einer Straßensperre, der dann von vort Ort regionale Medien widersprachen. Slawjansk ist gemäß der dortigen Onlinezeitung Slavgorod als einzige Stadt komplett unter der Kontrolle der Aufständischen, die in anderen Städten häufig nur bestimmte Gebäude, Plätze oder Checkpoints kontrollieren. Die Onlinezeitung Politnavigator hat vor Ort einen Film gemacht:

Weiter bestätigt der Politnavigator eine Aussage des Slawjansker Separatistenführers Strelkow, nach der Bereitschaft zur Freilassung der ausländischen Militärbeobachter besteht. Leider habe aber niemand von westlicher oder ukrainischer Regierungsseite mit den Separatisten Kontakt aufgenommen, um überhaupt eine Übergabe der Geiseln zu regeln. Diese Aussage hatte Strelkow gegenüber einem russischen Nachrichtensender getroffen. Wie so eine Autofahrt in der Region Slawjansk wirkt, lässt sich aus diesem Dashcam-Video recht gut erleben, inklusive Straßensperre, viel Militär und Hubschrauber-Tiefflug

An der Autobahn Charkow-Rostow dominiert eher das Militär:

Hier wird auch viel kontrolliert.

Große Mai-Demos in Donezk, Mariupol und Odessa

In Donezk, Mariupol und Odessa sind jeweils mehrere tausend Menschen bei Großdemonstrationen zum Ersten Mai durch die Stadt unterwegs. Gemeinsam mit vielen Kommunisten sind in Odessa gemäß der lokalen Onlinezeitung Tajmer auch zahlreiche Antimaidaner mit russischen Fahnen dabei. Ähnlich schaut es gemäß Nahnews auch in Donezk und Mariupol aus. Allgemein dominiert am Ersten Mai jedoch die Farbe rot, wie auf diesen Aufnahmen aus Odessa zu sehen ist:

Die örtlichen Antimaidan-Kräfte in der Hafenstadt haben sich mit Rostislaw Barda auf einen gemeinsamen Kandidaten für die kommende Bürgermeisterwahlen geeinigt, an der auch der Spaßkandidatat Darth Vader von der Internetpartei der Ukraine teilnehmen will.

Kundgebung und Hungerstreik in Charkow

In Charkow fand eine Kundgebung für eine Förderalisierung der Ukraine statt, die von Antimaidanern organisiert wurde.Sechs Aktivisten traten zur Unterstützung inhaftierter Oppositioneller in einen Hungerstreik, wie die örtliche Onlinezeitung Nahnews berichtet. Etwa 2.000 Sicherheitskräfte waren eingesetzt, umliegende Regierungsgebäude vor einer Besetzung zu schützen.

Keine optimistischen Prognosen

Auch mittel- und langfristig rechnet die örtliche Presse nicht mit einer Entspannung der Situation. Das hat ganz handfeste Gründe. So liefert der ukrainische Südosten 70-80 % des örtlichen Maschinenbaus bisher nach Russland – was angesichts der aktuellen Eiszeit vorbei sein dürfte. Es sei deshalb laut Auffassung des Kiewer Politnavigator in der dortigen Industrie im weiteren Jahresverlauf mit einer massivn Rezession zu rechnen. Dies werde zu einem völligen Zusammenbruch von Janukowitschs „Partei der Regionen“ vor Ort führen, die aktuell noch auf den wichtigen Posten dominiert. Diese sei vor Ort aber die einzige große Kraft, die für eine Mäßigung im innerukrainischen Konflikt stehe. Sie hat auch bereits seit März massiv Anhänger an radikalere Separatisten verloren, die noch vor dem Euromaidan auch im Osten außerhalb der Krim eine kleine Splittergruppe gewesen waren.