Nationalisten-Krawall in Kiew mit einem Toten und 90 Verletzten [mit Videos]

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Bei einer Kundgebung der nationalistischen Partei „Swoboda“ im Kiewer Stadtzentrum vor dem Ukrainischen Parlament ist ein Mensch zu Tode gekommen. Über 90 weitere wurden verletzt.

Hauptursache ist ein Handgranatenwurf aus einer Menge von ukrainischen Nationalisten heraus, von denen zahlreiche gemäß der örtlichen Onlinezeitung Politnavigator, deren Mitarbeiter selbst vor Ort waren, T-Shirts von „Svoboda“ trugen. Hierbei handelt es sich um eine nationalistische Partei des Euromaidan. Aufnahmen vom Beginn der Kundgebung machte auch der russische Staatssender Russia Today:

Die Nationalisten protestierten gegen eine geplante Parlamentsentscheidung zur Umsetzung des Abkommens von Minsk zur Beendigung des Bürgerkriegs im Donbass. Es sieht eine Dezentralisierung des Landes vor, die auch eine unabdingbare Voraussetzung eines einvernehmlichen Friedensschlusses ist. Eine solche Vereinbarung lehnen die Nationalisten als „Verrat“ an der Ukraine und einem Kniefall vor dem russischen Präsidenten Putin ab. Zahlreiche Fotos des Protestes finden sich ebenfalls beim Politnavigator.

Nach einer gewissen Zeit eskalierte die Veranstaltung und es kam zu Auseinandersetzungen mit der Polizei. Auch mehrere Polizisten wurden dabei verletzt. Hier Aufnahmen aus dieser kritischen Zeit des YouTube-Channels Tipitschnij Kiew:

Der Werfer der Handgranate wurde nach verschiedenen Meldungen bereits festgenommen. Hier weitere Filmaufnahmen nach der Eskalation von Kanal 5 in Kiew, der ja Poroschenko selbst gehört:

Auch die russischen Staatsjournalisten von RT haben die Eskalation fest gehalten:

Die Polizei nahm mehrere Teilnehmer der Veranstaltung von Svoboda fest. Sie sollen laut „Tipitschnij Kiew“ in diesem Bus davon gefahren worden sein:

Um den Kompromiss mit dem Osten war zuvor im Parlament heftig gerungen worden. Unter anderem forderte auch die einstige Euromaidan-Heldin Julia Timoschenko dazu auf, nicht für den Kompromiss zu stimmen, der ein Geheimabkommen zwischen Poroschenko und Putin sei. Ein weiterer Gegner einer Übereinkunft mit dem Osten war Oleg Ljaschko von der Radikalen Partei, die einstmals ebenfalls die aktuelle Euromaidan-Regierung unterstützte. Er forderte zu der dann durchgeführten Blockade des Parlamentsgebäudes mit auf. Auch im Parlament ist die Lage unübersichtlich und es spielten sich tumultartige Szenen ab. Ob sich nach dem heutigen Tag überhaupt ein Sonderstatus für den umstrittenen Donbass ergibt, ist zweifelhaft.

Roland Bathon, russland.RU