Moskau – aus der Traum von „park as park can“

Moskau – aus der Traum von „park as park can“

Während in den 90er Jahren in Moskau nach dem Prinzip „catch as catch can“ Auto gefahren wurde – was manches Überqueren einer teilweise sechsspurigen Straße (in jeder Richtung) zu einem lebensgefährlichen Abenteuer machte –, kann man sich diesbezüglich heute in der Stadt fast so sicher fühlen „wie in Abrahams Schoß“.

Ein Schritt auf den Zebrastreifen und die ganze Phalanx der Wagen bleibt stehen. Es macht direkt Spaß die Straße (auf dem Zebrastreifen) zu überqueren.

Saftige Strafen bis hin zur Konfiszierung des Wagens haben es möglich gemacht – und die Augen der Verkehrspolizei sind überall, wo man es nicht vermutet. Und der bestechliche Verkehrspolizist ist (bis auf Ausnahmen) eine Mär der Vergangenheit. Das Risiko ist unüberschaubar, denn ein unsauberes Angebot kann fatale Folgen haben.

Sechs bis sieben Millionen Fahrzeuge haben aber zu einem anderen Problem geführt: „park as park can“: Jedes frei Plätzchen – angefangen von Halteverbotsschildern, in Fußgängerstraßen fast bis in den Vorgarten (sofern vorhanden) – wird zugeparkt, mit einer Frechheit, die teilweise beispiellos ist.

Die Moskauer Abschleppkolonnen sind unermüdlich und mit Atem beraubender Geschwindigkeit am Werk. Und ist der Wagen erst einmal weg, ist die Not riesengroß – die Bürokratie ist entsetzlich. Ich habe es gestoppt: Einer fotografiert den Wagen rundum, der andere hievt ihn auf den Abschleppwagen, in drei Minuten ist der Wagen weg und da gibt es kein Pardon.

Dennoch, das Problem schien unlösbar.

Nun hatte der Bürgermeister der Stadt eine Idee: Die Augen des Gesetzes können nicht überall sein, aber die Augen der Mobilniks (russisch Handy) sind es.

Eine App namens „Assistent Moskaus“ wurde für die Mobilniks herausgegeben, mit der die genervten Fußgänger den Parksünder fotografieren und gleich an das entsprechende Amt weiterleiten können. Dort wird analysiert und eine Geldbuße verhängt.

240.000-mal machte es allein im Jahr 2017 „klick“, wurde am Freitag auf dem Portal des Moskauer Rathauses berichtet. Über 200.000-mal wurde die App nach neuestem Stand heruntergeladen.

[Hanns-Martin Wietek/russland.NEWS]

COMMENTS