Lebensmittel: Russen sind weitgehend zufrieden

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Das seit 2014 verhängte Lebensmittel-Embargo, das die Russen dort am empfindlichsten treffen sollte, wo es am meisten wehtut, nämlich am Geschmack, hat offenbar nicht gefruchtet. Eine repräsentative Umfrage ergab, dass zwei Drittel der Bevölkerung nichts von dem Sanktionen spüren würde. Die russische Landwirtschaft frohlockt.

Der russische Landwirtschaftsminister spielt bereits mit dem Gedanken die gegenseitig verhängten Lebensmittelsanktionen verlängert sehen zu wollen. Erst vor kurzem hat Präsident Wladimir Putin das Embargo bis vorerst Ende 2018 ausgesprochen. Und die Verbraucher in Russland sehen inzwischen kaum mehr Unterschiede zwischen den Angeboten aus heimischer Produktion und aus dem EU-Ausland eingeführter Ware. Eine Umfrage des russischen Marktforschungsunternehmen Romir sollte die Meinung des russischen Konsumenten zur Qualität der auf den Markt gebrachten Lebensmittel erheben.

Ähnliche Befragungen gab es bereits im Jahr 2016. Legt man die Auswertungen zu Grunde, sei die Qualität im Lauf der Jahre deutlich gestiegen – so die Meinung der Endkundschaft laut der Zeitung Wedomosti. Den deutlichsten Qualitätssprung nach oben habe demnach der in Russland hergestellte Käse gemacht. Empfand damals noch ein Drittel aller Russen, dass die heimischen Käsesorten einen deutlichen Schritt nach unten gemacht habe, sehen mittlerweile 57 Prozent der Käufer keinen Unterschied mehr zu europäischen Marken.

Heimisches und regionale Besonderheiten

Anders verhält es sich allerdings bei den angebotenen Milch- und Fleischprodukten. Da habe sich, so die Umfrage, die Qualität in den Augen der Verbraucher deutlich verschlechtert. Gaben für den Zeitraum 2015 lediglich acht Prozent eine Verschlechterung der Produkte an, waren es inzwischen bereits 15 Prozent bei der Milch, beziehungsweise 18 Prozent bei den Fleischerzeugnissen. Die Ergebnisse für Fisch hingegen seien demnach unverändert. Hier sind nach wie vor weit über die Hälfte der Befragten mit dem Angebot zufrieden. Zehn Prozent finden es mittlerweile sogar besser.

Neben dem Käse werde auch das Obst aus heimischen Anbau deutlich besser bewertet als noch vor zwei Jahren. Lediglich 15 Prozent seien mit den Erzeugnissen unzufrieden, heißt es. Ähnlich verhält es sich bei Gemüse, mit dem 64 Prozent der Russen durchaus zufrieden sind. Verschlechtert habe sich dessen Qualität demnach nur nach der Meinung von 15 Prozent. Obst und Gemüse dürften allerdings in Russland nicht allzu repräsentativ sein, da sich ein großer Teil der heimischen Bevölkerung ohnehin aus ihrem eigenen Garten auf der Datscha versorgt.

Allerdings konnten die Meinungsbefrager von Romir Unterschiede bei der Beurteilung nach verschiedenen Regionen feststellen. Am unzufriedensten über die Qualität der verfügbaren Produkte zeigten sich laut des Studie die Bewohner von Städten mit einer Population zwischen 100.000 und 500.000 Einwohnern in Zentral- und Südrussland. Besonders die Molkerei-, Fleisch- und Wurstwaren wurden hier moniert. Im Ural sowie im Nordwesten des Landes hingegen missfiel den Verbrauchern das Gemüseangebot.

Der „größte Schock“ den die Lebensmittel-Sanktionen bei der russischen Bevölkerung zu beginn ausgelöst hatte, sei laut den Autoren der Studie damit überwunden. Nach Einschätzung von Romir hätten sich die Verbraucher schlichtweg an die angebotenen Produkte gewöhnt. Jedoch, und das sei wichtig, die Qualität der Waren dabei nicht aus den Augen verloren.

[mb/russland.NEWS]

 

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.