Confed-Cup 2017: Ronaldo – Ronaldo – Ronaldo

Foto: TV-Screenshot

Seit fünfzehn Jahren in Portugal lebend und dabei die Karriere von CR7 beobachtend kann ich über die rasante Entwicklung des einfachen Jungen von der Insel Madeira nur noch schmunzelnd den Kopf schütteln. Der Tausendsassa als Kicker-Unternehmer-Medienstar besticht mit seinen Leistungen auf höchstem Niveau in ungewöhnlicher Konstanz.

Hinzu kommt, dass der früher so unnahbar erscheinende Ronaldo inzwischen mit sozialer Präsenz besticht. Mit typisch portugiesischer Kinderliebe verwöhnt der amtierende Europameister und Champions-League-Sieger mit diversen Projekten den Nachwuchs. Vor dem Spiel in dem mit 42 759 Zuschauern ausverkauften Spartak-Stadion in Moskau eroberte der Superstar weitere Millionen Herzen mit einem Kuss für die zehnjährige, im Rollstuhl sitzende kleine Russin Polina Kajeretdinowa. Hand in Hand führte CR7 als Kapitän seiner Mannschaft das behinderte Mädchen auf den Rasen des Stadions. Zusätzlich schenkte er Polina seine Trainingsjacke, in der er sich zuvor warmgelaufen hatte. Sein Charme wirkt so überwältigend, dass eine portugiesische Zuschauerin im Stadion Ronaldo per Plakat öffentlich zur Heirat aufforderte: Ronaldo casémonos.

Obwohl Portugals Trainer Fernando Manuel Costa Santos bei einer Pressekonferenz die Journalisten lautstark aufforderte, einzig sportliche Themen zu behandeln, kann man nicht verschweigen, dass sein derzeitiger Schützling vor der ersten echten Bewährungsprobe steht, da ihn spanische Staatsanwälte als mutmaßlichen Steuerhinterzieher brandmarkten. Ronaldo soll zwischen 2011 und 2014 gut 14,7 Millionen Euro hinterzogen haben, was der Weltfußballer jedoch vehement bestreitet. Spanische Medien berichten inzwischen, der Portugiese wolle in der kommenden Woche bei einem Gericht in Madrid 14,7 Millionen Euro hinterlegen. Das ist kein Schuldeingeständnis aber eine echte Bestätigung irregulärer Vorkommnisse. Folgerichtig wird nun der Modehersteller und Hotelier bei jeder Pressekonferenz mit Fragen gelöchert, ob er Spanien und Real Madrid nach dem Steuerskandal denn wirklich deshalb verlassen wolle.

Auf dem Rasen beim Confed-Cup perlen diese Vorwürfe an ihm ab. Er kam herzwärmend, spielte hervorragend und besiegte Gastgeber Russland mit einem nicht unverdienten 1:0 am Mittwoch. Bereits nach acht Minuten köpfte Ronaldo nach genauer Flanke des Dortmunders Raphael Guerreiro aus fünf Metern das Spiel entscheidende Tor. Es war der 74. Länderspieltreffer von Portugals Rekordtorschützen. Der russische Torwart Igor Akinfejew, von seiner Abwehr im Stich gelassen, war in seinem 100. Länderspiel machtlos. Russlands Trainer Stanislaw Tschertschessow, früher Torwart bei Dynamo Dresden, kommentierte nach dem Spiel den wuchtigen Kopfball doppeldeutig: „Das war nicht bloß unser Fehler, das zeigt auch Ronaldos Qualität.“

Russland steht nach dem 2:0-Auftaktsieg gegen Neuseeland vor seinem letzten Vorrunden-Spiel gegen Mexiko am Samstag gehörig unter Druck, wenn es nicht vor dem Halbfinale auszuscheiden will. Bis zum Schock in Minute acht spielten die Russen, vom Publikum lautstark unterstützt, selbstbewusst mit. Danach ließen die Portugiesen den Ball gekonnt in ihren Reihen laufen und Torwart Rui Patrício hatte wenig zu tun. Seinem russischen Kollegen Akinfejew war es mit einer glänzenden Fußparade zu verdanken, dass Ronaldo nicht vor der Pause erneut einnetzen konnte. In der zweiten Hälfte kamen die WM-Gastgeber besser ins Spiel und sorgten für Spannung. Genützt hat die späte Offensive nichts mehr, zu harmlos waren die Angriffe aufs portugiesische Tor.

Mexiko gewann sein Spiel mühevoll 2:1 gegen Neuseeland und verfügt wie Portugal über vier Punkte. Gegen Neuseeland steht der Europameister vor einer relativ einfachen Aufgabe, während sich Russland gegen die kampfbetonten Mexikaner deutlich steigern muss.

[von Hans-Ulrich Berger/russland.NEWS]