Gesundheitsminister Michail Muraschko beklagt den hohen Zuckerkonsum und die Ernährungsgewohnheiten der russischen Bevölkerung. Zugleich warnt er vor einer langfristig steigenden Krebsbelastung. Eine Verbraucherorganisation fordert unterdessen Einschränkungen für frittierte und panierte Speisen.
Russlands Bevölkerung soll gesünder leben. Wie weit Anspruch und Alltag auseinanderliegen, erläuterte Gesundheitsminister Michail Muraschko am Mittwoch beim Internationalen Jugendfestival in Jekaterinburg: Der Zuckerkonsum liege beim Vierfachen der ärztlichen Empfehlung, während lediglich 60 Prozent der Bevölkerung täglich Obst und Gemüse äßen. Für den Minister ist das „äußerst wenig“. Als Gründe für ungesunde Ernährung nannte er Zeitmangel und die mangelnde Bereitschaft, Essgewohnheiten zu verändern. Er sieht darin vor allem einen Verhaltensfaktor.
Allerdings bleibt die Größenordnung beim Zucker erklärungsbedürftig. Kommersant nennt als Empfehlung des Ministeriums höchstens 24 Gramm täglich beziehungsweise acht Kilogramm jährlich. Dem stellt die Zeitung einen Pro-Kopf-Verbrauch von 23 Kilogramm für 2025 gegenüber. Das entspricht knapp dem Dreifachen des angegebenen Jahresrichtwerts. Die ebenfalls aufgeführten Werte von 30 Kilogramm für 2023 und 31 Kilogramm für 2021 liegen dagegen nahe am Vierfachen. Auf welche Datengrundlage sich Muraschkos aktuelle Aussage stützt und wie der Zuckerverbrauch jeweils abgegrenzt wird, geht aus der Meldung nicht hervor.
Bis 2030 soll der Anteil der Menschen, die einen gesunden Lebensstil pflegen, auf das Eineinhalbfache steigen. Muraschko wandte sich zugleich gegen die Vorstellung, Hungern verbessere die zentralen Gesundheitswerte. Welche konkreten Maßnahmen den gewünschten Wandel der Ernährung ermöglichen sollen, erläutert die Meldung nicht.
Eine längerfristige Herausforderung hatte der Minister bereits am Vortag auf einem Fachforum für Onkologie und Strahlentherapie angesprochen. Nach von ihm angeführten Expertenschätzungen könnte die Verbreitung von Krebserkrankungen innerhalb von 20 bis 30 Jahren um 50 Prozent zunehmen. Muraschko verwies dabei auf die steigende Lebenserwartung und weitere weltweite Entwicklungen. Eine zugrunde liegende Studie nennt der Bericht von Expert jedoch nicht. Zudem wechselt er zwischen Erkrankungsrisiko und Verbreitung von Krebs – Größen, die nicht gleichzusetzen sind. Eine präzise Prognose, wonach das persönliche Krebsrisiko jedes Menschen in Russland um die Hälfte steigen werde, lässt sich daraus nicht ableiten.
Parallel dazu bringt die Organisation „Öffentliche Verbraucherinitiative“ einen regulatorischen Vorschlag ins Spiel. In einem Schreiben an Ministerpräsident Michail Mischustin fordert sie unter anderem, das Frittieren und Braten panierter Produkte in der Gastronomie zu untersagen. Stattdessen sollten diese im Ofen oder mit Heißluft zubereitet werden. Die Organisation verspricht sich davon weniger Öl im fertigen Essen und ein geringeres Risiko der Bildung krebserregender Stoffe. Weitere Vorschläge betreffen vorfrittierte panierte Fertigprodukte, die Kinderernährung sowie Zusammensetzung und Kennzeichnung von Panaden. Eine beschlossene staatliche Maßnahme ist das nicht; das Schreiben wurde nach Angaben eines Gesprächspartners von Kommersant zur Stellungnahme an das Landwirtschafts- und das Industrieministerium weitergeleitet.
Die Meldungen ergeben damit ein Bild gesundheitspolitischer Sorge, aber noch kein geschlossenes Programm. Der Minister mahnt zu anderem Verhalten, die Verbraucherorganisation verlangt Eingriffe in die Zubereitung von Lebensmitteln. Wie gesündere Ernährung im Alltag bezahlbar und leichter zugänglich werden soll, bleibt in diesen Berichten offen.

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