Zerstörter Reaktor im ukrainischen AKW Tschernobyl erhält neuen Schutzmantel

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Die Geberländer des ukrainischen Atomkraftwerks Tschernobyl haben sich verpflichtet, knapp 200 Millionen US-Dollar für den Bau eines neuen Schutzmantels über dem zerstörten vierten Reaktorblock bereitzustellen.

Diese Entscheidung wurde am Donnerstag bei einem Treffen von Vertretern der Geberländer im Londoner Hauptsitz der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE) getroffen.

Die Länder der G 8 und der Europäischen Union werden für diese Zwecke 185 Millionen Dollar zur Verfügung stellen. Zum ersten Mal ist auch Russland beteiligt. Die Regierung der Ukraine will mit 22 Millionen Dollar aufkommen.

Die EBWE verwaltet den internationalen Tschernobyl-Sarkophag-Fonds, dem 28 Länder angehören. Bislang wurden in dem Fonds fast 600 Millionen Euro akkumuliert. Unter Berücksichtigung des heute gefassten Beschlusses wird der Fonds auf knapp eine Milliarde Dollar anwachsen.

Der Bau des neuen Schutzmantels über dem explodierten Reaktor soll 2008/2009 zu Ende abgeschlossen werden.

„Wir begrüßen die Bewilligung weiterer Mittel dafür. Das zeugt von der Absicht der internationalen Gemeinschaft, den Bau des Sarkophags in Tschernobyl abzuschließen“, sagte EBWE-Präsident Jean Lemierre.

Er brachte die Hoffnung zum Ausdruck, dass die Ukraine das Projekt im festgelegten Zeitraum verwirklicht. Die EBWE rechne damit, dass die ukrainische Führung die Verwendung der bewilligten Mittel streng kontrollieren wird, sagte er.

Bei der Reaktorexplosion in Tschernobyl vom 26. April 1986 handelt es sich um die bislang schwerste technische und humanitäre Katastrophe des 20. Jahrhunderts. Aus einer Karte der nach dem Tschernobyl-Unglück betroffenen Gebiete geht hervor, dass Territorien von 17 Ländern mit einer Gesamtfläche von 207 500 Quadratkilometern kontaminiert sind. Davon entfallen 43 500 Quadratkilometer auf Weißrussland, 59 300 Quadratkilometer auf Russland und 37 600 Quadratkilometer auf die Ukraine.