Wolgograd: Truppenbewegungen, Verletztentransporte und kein Feuerwerk [mit Video]

Verkehr an Anschlagsorten wieder aufgenommen - Entschädigungszahlung an die Hinterbliebenen

Von einer wirklichen Normalisierung kann in Wolgograd, wo es gestern und vorgestern zwei Bombenanschläge auf den öffentlichen Verkehr gab, noch keine Rede sein. Eines der meistgesehenen Videos von gestern im russischen Internet zeigt umfangreiche Truppenverlegungen in die Stadt, mit denen der Staat offensichtlich vor Ort Stärke zeigen will. Das Video findet sich unter diesem Artikel. Es gehörte, obwohl es nur eine schier endlose Kolonne von Militär-LKWs zeigt, zu den meistgeschauten in russischen Netz. Es zeigt, wie sehr auch der Fokus im übrigen Russland noch auf die Wolgastadt gerichtet ist.

Die Bevölkerung wurde aufgefordert, zum Jahreswechsel weitgehend auf Feuerwerk zu verzichten. Die Aufforderung ist mit Rücksicht auf die zahlreichen Zeugen der Bombenexplosionen verständlich. Die meisten offiziellen Events zum Jahreswechsel waren bereits abgesagt worden. Eine Clubs in der Stadt wollten ihr Silvesterprogramm jedoch nicht völlig streichen, das für sie zum wichtigsten Umsatzbringer im gesamten Jahresverlauf gehört.

Währenddessen haben die Spezialisten von Feuerwehr und Katastrophenschutz an den Unglücksorten ihre Bergungsarbeiten weitgehend abgeschlossen und der Verkehr auf der Hauptstraße in den Vorort Dserschinsk, wo die gestrige Explosion stattfand, soll heute für den Verkehr wieder freigegeben werden. Bereits gestern waren auch Pläne zur Wiederinbetriebnahme des Bahnhofsgebäudes ohne den verwüsteten Bereich rund um den Haupteingang bekannt geworden.

Die ersten getöteten Terroropfer sollen bereits am heutigen Tag beigesetzt werden. Es handelt sich um zwei Beschäftigte der Einlasskontrolle am Bahnhof, wo die erste Bombenexplosion stattfand, als sich eine Selbstmordattentäterin in die Luft sprengte. Die Hinterbliebenen der Getöteten sollen eine Entschädigungszahlung von einer Million Rubel (etwa 25.000 €) aus einem staatlichen  Reservefonds erhalten.  Viele auswärtig lebende Hinterbliebene sind mittlerweile in Wolgograd angekommen. Auch ihre Hotel- und Reisekosten sollen aus staatlichen Mitteln übernommen werden. Die ersten Auszahlungen sollen bereits am heutigen Tag erfolgen.

Sieben weitere Schwerverletzte  wurden in der Nacht in Moskauer Spezialkliniken gebracht. Bereits zuvor waren verwundete Opfer des ersten Anschlags ausgeflogen worden. 15 Anschlagsopfern werden nun in Spezialkliniken der Hauptstadt behandelt 50 in Wolgograder Kliniken.

Roland Bathon, russland.RU Wolgaregion und Ural; Video zu den Truppentransporten: