WM 2018: Falsche Hoffnung ConFed-Cup

Foto: StockSnap CC0 Creative Commons via Pixabay
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Russland hatte sich das so schöngemalt – vor dem Turnier der Turniere, der Fußball-Weltmeisterschaft 2018 im eigenen Land, die Generalprobe Confed-Cup 2017. Trotz hochkarätiger Teilnehmer blieb am Ende nichts als die Ernüchterung. Das Turnier entpuppte sich als wirtschaftlicher Flop.

Es hätte eine rauschende Fußball-Party werden sollen. Was übrig blieb, waren leere Stadien und lausige Umsätze. Der ConFed-Cup lockte kaum jemanden hinter dem Ofen hervor. Und wie man sich auch ins Zeug gelegt hat. Alle direkt und indirekt an dem Turnier hängenden Gewerbezweige saßen in den Startlöchern. Gelohnt haben sich ihre Investitionen nicht. Am stärksten davon betroffen war zweifelsohne das Gastgewerbe.

Von einer Auslastung der Unterkünfte von 85 bis 90 Prozent habe man gehofft, schreibt die Zeitung MKRU. Tatsächlich blieben die gebuchten Unterkünfte laut Analytikern jedoch bis zu einem Viertel unter den Erwartungen. Gerade in Sotschi war das Ausbleiben der Gäste signifikant, böte sich die Lage am Schwarzen Meer doch geradezu an, ein paar Tage zu verweilen.

In Moskau hingegen war so gut wie nichts von der großen Euphorie zu spüren. Die Hoteliers in Kasan beklagten sogar, dass die Einquartierungen noch unter dem Vorjahresschnitt lagen. Wie es heißt, stammten die meisten Besucher der Fußballspiele ohnehin aus der Region, so dass diese allerhöchstens bei Anbietern von Privatunterkünften für Umsatz gesorgt haben dürften. St. Petersburg kann es egal gewesen sein, dort herrscht während der „Weißen Nächte“ permanent Trubel in der Hochsaison.

Somit passt die Situation des Gastgewerbes genau in das Bild der mitunter gähnend leeren Stadien, die den ConFed-Cup prägten. Den Gewerbetreibenden bleibt nun noch die Hoffnung auf eine erfolgreiche Weltmeisterschaft im nächsten Jahr. Solange jedoch Russland nach wie vor als „Schurkenstaat“ in den Medien behandelt wird, steht zu befürchten, dass auch bei der WM die großen Umsätze ausbleiben werden. Schade, denn genau damit hätte Russland die Gelegenheit zu beweisen, dass es doch ein wunderbares Gastgeberland ist.

[mb/russland.NEWS]

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.