Vom Pfannen verbiegen und Straßenbahnen ziehen

Foto: TV-ScreenshotFoto: TV-Screenshot
image_pdfimage_print

[Von Michael Barth] – Olympisch wird diese Art der Körperertüchtigung nie werden, das ist ziemlich sicher. Auch wird sie nie den Einzug in die Arenen des Breitensports finden. Für diejenigen jedoch, die diesen Sport mit vollem Ernst betreiben, ist es die größte Herausforderung, sich dabei mit den Besten ihrer Zunft im Wettstreit zu messen.

Die Rede ist vom Pfannenverbiegen. Ja, Sie haben richtig gelesen – Pfannenverbiegen. Sollten Sie dies, wie auch wir am Anfang, belächeln, versuchen Sie doch einmal eine Pfanne mit bloßen Händen zu verbiegen, ja regelrecht aufzurollen. Vielleicht sollten Sie zuerst mit der relativ leichten, mit Teflon beschichteten, beginnen, bevor Sie sich an die Gusseiserne Gerätschaft wagen. Sie werden sehen, wie schnell Sie an Ihre Grenzen stoßen und mit schmerzenden Fingern kapitulieren.

Wie viel Ernst man dieser Beschäftigung entgegenbringen kann, zeigen regelmäßig die sogenannten „Russischen Recken“. Genauer ist gesagt ist es offiziell das Strongman-Team Russkije Bogytari. Kraftsport im Extrem entwickelte sich inzwischen, absolut unolympisch bis auf die klassischen Disziplinen wie zum Beispiel Gewichtheben, auch in Russland zu einem beliebten Show-Event, der die Zuschauer in Staunen versetzt.

Da werden LKW rein durch Muskelkraft bewegt, Betonblöcke mit dem Kopf zerschlagen und Wärmflaschen aufgepustet, bis sie denn endlich zerplatzen. Sie sehen, der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Erst vor Kurzem bewegte der russische Kraftsportler Iwan Sawkin fünf Straßenbahnen mit einem Gesamtgewicht von 96 Tonnen über mehrere Meter. Mir reiner Muskelkraft versteht sich – Weltrekord.

Muskelprotze unter sich

Sawkin hat bereits so einiges vorzuweisen in seiner Kraftmeier-Karriere. Und was er auch schon alles bewegt hat, bevor er sich noch an die Herausforderungen von acht Straßenbahnen macht. Einen mehrere Tonnen schweren Elektrozug, eine Fähre, ein Flugabwehrraketensystem, einen 30 Tonnen schweren Schlepper mitsamt Anhänger, außerdem Panzer vom Modell T-34 und T-54 Der Airbus A320 mit immerhin 65 Tonnen nimmt sich da eher als Leichtgewicht heraus. So ganz nebenher ist der Kraftprotz auch noch Meister im Gewichtheben in Russlands Fernem Osten.

Unter Beweis stellen wollen Alexander Muromski und seine „Recken“ ihre Kraft zum Abschluss der „Internationalen Armeespiele“, bei denen sich bis zum 13. August 19 Länder spielerisch sportlich messen werden, um die Meister im Panzer-Biathlon und Raketen-Dart zu küren. Dazu seien auch Kollegen aus den Ländern der Nato und Westeuropas herzlich eingeladen, da dies nach Ansicht des russischen Außenministeriums wesentlich sinnvoller sei, als „sich gegenseitig durch ein Panzerzielfernrohr anzusehen“, so der Vizeverteidigungsminister Anatoli Antonow.

Warum also nicht auch Pfannen herkulesk verbiegen. Zumal die Disziplin bei Kraftathleten in aller Welt zunehmend populärer zu werden scheint. Allen Hobby- und Profiköchen, allen Hausfrauen, die zu Hause das Regiment über den Kochlöffel schwingen, mag nun das Herz bluten, aber in der Tat will sich der russische Oberrecke, der Team-Leiter Alexander Muromski am bestehenden Weltrekord versuchen. Binnen einer Minute will Muromski ganze neun Bratpfannen aufrollen. Der bisherige Rekord liegt immerhin bei Acht.

Selbst der russische Präsident Wladimir Putin versuchte sich bei einem Besuch eines Jugendcamps am Seliger See schon an der Pfanne, pardon in der Disziplin des Pfannenverbiegens. Über sein Abschneiden wird sich allerdings wohlweislich kollektiv ausgeschwiegen.

Sollte hingegen der geneigte Leser jetzt auf den Geschmack gekommen sein, um sein Talent und seine Kraft am eigenen Gerät auszuprobieren, vergessen Sie bitte Ihre bessere Hälfte nicht. Denn ob die Ihr neues Hobby gutheißen wird, wollen wir dahin gestellt lassen. Und eigentlich wäre es doch richtig schade um den nächsten Sonntagsbraten, finden Sie nicht auch…

[Michael Barth/russland.RU]

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.