US-Wahl: Ukraine erhofft sich endlich Waffen

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Wie vielerorts wartet man auch in Kiew gespannt auf den Ausgang der US-Wahlen. Während den meisten Menschen weltweit die elementare Frage „Eskalation oder Mäßigung“ auf den Nägeln brennt, hegt man in der ukrainischen Regierung jedoch unverhohlen die Hoffnung, nun endlich doch noch an die heißbegehrten „letal weapons“ zu gelangen.

Die Lieferung dieser todbringenden Waffen für die, vom Bürgerkrieg geschundene, Ukraine wurden erst kürzlich im September vom Repräsentantenhaus des US-Kongresses in einen Gesetzentwurf aufgenommen, um die „Stabilität und Demokratie in der Ukraine zu gewährleisten“. Vorläufig muss der Entwurf des Gesetzes noch durch den Senat abgesegnet werden, um dann vom künftigen US-Präsidenten endlich unterschrieben zu werden.

Zunächst benötige man in erster Linie Flugabwehrmittel und Panzermunition, offenbart auch gleich der ukrainische Verteidigungsminister Stepan Poltorak seinen Wunschzettel. Alexander Turtschinow, der Leiter des ukrainischen Sicherheits- und Verteidigungsrates, hofft indes, dass für ihn dabei endlich etwas griffiges herausspringt, denn seine Geduld schwindet allmählich dahin. Soweit er sich erinnern könne, sei dies bereits die dritte Entscheidung“, wetterte er gegenüber dem ukrainischen Nachrichtenportal LB.ua.

Letale Waffen auf dem Wunschzettel

„Ja, keine einzige Patrone haben sie uns gegeben, obwohl wir es 2014 besonders schwer hatten“, beschwerte sich Turtschinow über die Tatsache, dass die westlichen Partner immer noch keine tödlichen Waffen an die Ukraine geliefert hätten. Legal letal dürfte er mit diesem Ausspruch wohl gemeint haben, denn an anderer Stelle bemängelte bereits die Waffenschmiede „Ukrinmasch“ die Qualität der US-Ersatzteile, wie der TV-Sender „Hromadske“ seinerzeit nach eigenen Recherchen berichtete.

Demnach sei dieser Rüstungsdeal von vornherein eine dubiose Angelegenheit gewesen. Als offizieller Lieferant trat damals die britische Firma „Rion Assets Company LTD“ mit einem Bankkonto in Lettland, auf, so „Hromadske“. Die Direktorin der Firma gelte rein formell als eine Bürgerin der Seychellen, doch tatsächlich sollen Kiewer Bürger dahinter stecken. Als Postanschrift wäre seinerzeit in den Dokumenten eine Wohnung in der ukrainischen Hauptstadt angegeben worden.

Das soll sich laut Alexander Turtschinow nun mit der Unterschrift des neuen US-Präsidenten ändern. Von illegal zu halblegal und am Ende doch der Hoffnungsschimmer auf ganz legal, so solle die Entwicklung der ukrainischen Aufrüstung von Statten gehen, wenn es nach dem ukrainischen Sicherheits- und Verteidigungsrat ginge. Turtschinow, ganz im diplomatischen Gewand dazu: „Ich glaube, dass die neue US-Administration diese Entscheidung unterstützen sollte.“

[mb/russland.RU]

 

 

 

 

 

 

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.