Ukraine kritisiert Geberländer wegen Nichterfüllung deren Finanzverpflichtungen zur Sicherung des Atomkraftwerkes Tschernobyl

Die Ukraine wird an die Geberländer des Fonds für die Ummantelung des Tschernobyl-Reaktors wegen der Nichterfüllung deren Finanzverpflichtungen zur Stillegung des Atomkraftwerkes Tschernobyl und Sicherung des Schutzsarkophags appellieren.

Dies entschied der Rat für nationale Sicherheit und Verteidigung der Ukraine auf seiner Sitzung am Dienstag, wie das Presseamt des ukrainischen Präsidenten der RIA Nowosti mitteilte.

Die Teilnehmer der Sitzung, die unter dem Vorsitz des Staatspräsidenten Leonid Kutschma stattfand, stellten fest, dass die Planrückstände bei diesen Arbeiten auf die Nichterfüllung der Verpflichtungen durch die G7-Staaten und die EU-Kommission zurückzuführen sind, die im Ottawa-Memorandum von 1995 festgehalten sind. Deshalb muss die Ukraine zusätzliche Kosten für die Sicherheit der Kernreaktoren tragen.

„Heute beträgt der Planrückstand bei der Stillegung des Atomkraftwerkes Tschernobyl drei Jahre“, geht aus einer Presseerklärung hervor.

Auf der Sitzung des Rats wurde auf uneffektive Nutzung der Mittel des Tschernobyl-Fonds durch die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung verwiesen.

Es seien unter anderem die Kosten für die Projektführung durch ausländische Partner überzogen. „Knapp die Hälfte der Mittel dieses Fonds wurden nicht für Produktionszwecke ausgegeben“, heißt es weiter.

Der Sarkophag, genannt „Ukrytie“, war 1986 um den zerstörten 4. Block des Atomkraftwerkes Tschernobyl hochgezogen, um das radioaktive Material im Innern sicher gegen die Umwelt abzuschließen.

Der aktuelle Zustand dieses Schutzmantels erregt Besorgnis. Wissenschaftler und Spezialisten wissen nichts um die Prozesse, die sich innerhalb des Unglücksreaktors vollziehen. Ebenso wenig ist über den Zustand von 200 Tonnen Kernbrennstoff bekannt, die im Reaktor bleiben. Die Wände des Sarkophags bekamen Risse, die Decke senkte sich etwas herab.

Experten warnen, dass der Einsturz der Schutzeinrichtung noch schwerere Folgen für die Umwelt haben kann, als das Unglück selbst.

Für die Sicherung des Reaktors wurde ein neuer Schutzpanzer, genannt „Ukrytie-2“ projektiert. Er soll neben dem vierten Energieblock errichtet und auf ihn geschoben werden. Die geplante Betriebszeit der neuen Schutzeinrichtung beträgt 100 Jahre.

Für die Arbeiten zur Sicherung der havarierten Atomanlage werden 758 Millionen US-Dollar veranschlagt. Das Projekt finanzieren der Internationale Tschernobyl-Fonds (708 Millionen Dollar) und die ukrainische Regierung (50 Millionen).

Bis April 2006 sollen die Arbeiten zur Stabilisierung des bestehenden Sarkophags beendet werden. Gleich danach wird voraussichtlich mit dem Bau des Fundaments für den neuen Sarkophag begonnen.

Die Montage der neuen Schutzeinrichtung soll im Februar 2008 beginnen.