Trump im Moskauer Gespräch

Moskauer Gesprächer DRF 170123 © huebner-russland.news

[Hartmut Hübner] Ist Donald Trump Russlands neuer Freund im Weißen Haus? Eine klare Antwort auf diese Frage erwartete wohl keiner der Zuhörer im überfüllten Großen Saal des Deutsch-Russischen Hauses in Moskau beim „Moskauer Gespräch“, einer Veranstaltungsreihe des Deutsch-Russischen Forums (DRF).

Selbst die ausgewiesenen Experten in Sachen Russland, wie Matthias Platzeck, ehemaliger brandenburgischer Ministerpräsident und Vorsitzender des DRF und der Leiter des Carnegie-Moscow Center, Dmitrij Trenin, taten sich schwer mit Prognosen über die künftige Politik des neuen US-Präsidenten.

Seine Wahl sei zwar überraschend gewesen, aber letztlich eine Folge der aktuellen Situation in den Vereinigten Staaten, versuche sich Trenin an einer Erklärung. Trumps Wähler hatten genug von der Politik des vielfältigen Engagement des Landes in aller Welt und vertrauten dem Versprechen ihres neuen Staatschefs, sich vor allem auf das Wohlergehen der Menschen im den USA zu konzentrieren und mit Ihrer Hilfe die Vereinigten Staaten wieder stark zu machen.

Ein Hoffnung machender Nebeneffekt sei, dass Trump Russland als gleichberechtigten Partner sehe und Sanktionen für überflüssig halte. Dass es ihm damit durchaus ernst sei, beweise eine für kommende Woche angekündigte Reise einer Unternehmerdelegation aus den USA nach Moskau.

Auch Matthias Platzeck zeigte sich vorsichtig optimistisch, dass es zu einer Annäherung zwischen dem Weißen Haus und dem Kreml kommen könnte. Allerdings seien jähe Wendungen nicht ausgeschlossen, wie er in seinem Leben erfahren habe. Sorge mache ihm allerdings die Zunahme nationalistisch-populistischer Tendenzen in Europa im Ergebnis des Wahlausgangs in den USA.

Aber wenn sich die Vereinigten Staaten als autonomes Machtzentrum etablieren wollten, dann müsse dem auch ein geeintes Europa gegenüber stehen, und zwar im engen Verbund mit Russland. „Ansonsten läuft auch Deutschland Gefahr, in absehbarer Zeit allein dazustehen“, warnte er.

Die Bundesregierung manövriere sich mit ihrem Beharren auf den Sanktionen ins Abseits. Er sei überzeugt, dass die kürzlich von der EU verfügte Verlängerung der Sanktionen gegen Russland die letzte sei. „Es wäre aber falsch zu denken, dass wir mit der wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit Russland einfach dort weitermachen, wo wir aufgehört haben. Wir müssen uns erst wieder unseren Platz erkämpfen.“

Am Ende waren sich die Gesprächspartner einig, dass, unabhängig von der künftigen Russlandpolitik des neuen US-Präsidenten, die Partnerschaft Deutschlands und der gesamten EU mit der Russischen Föderation eine aktuelle und vorrangige Aufgabe ist. (Hartmut Hübner/russland.news)

Über den Autor

Hartmut Hübner
Gelernter und sogar diplomierter Journalist. Nachdem ich im Ergebnis einer Fahrt auf einem Riesenrad von meinem ursprünglichen Wunsch, Pilot zu werden, endgültig Abschied genommen hatte, beschloss ich als, „rasender Reporter“ aus der ganzen Welt zu berichten. Als „Mittagspausen-Notenkoch“ im Schulfunk und Volontär bei der Berliner Zeitung „Junge Welt“ begann meine journalistische Karriere, die sich nach dem Studium als Verantwortlicher für eine Zeitung im sächsischen Gesundheitswesen, Pressesprecher an der Leipziger Sporthochschule DHfK und Redakteur an der Leipziger Volkszeitung fortsetzte, bis ich mir einen Kindheitstraum erfüllte und ein freies Korrespondentenbüro in Moskau übernahm. Das war 1995 – und seither lässt mich Russland nicht mehr los.