St. Petersburg: Eingefrorene Schiffe frei

Foto: commons.wikimedia/Kat1100 CC BY-SA 3.0Foto: commons.wikimedia/Kat1100 CC BY-SA 3.0
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Ein Wetterwechsel hat die gefährliche Situation mit zehn auf der Newa eingefrorenen Frachtschiffen – darunter Öltanker – gelöst: Nachdem das Newa-Eis stromab getrieben war, konnten jetzt auch die Schiffe ihren Weg fortsetzen.

In der Nacht auf Dienstag fuhr eine Karawane aus acht Schiffen durch die wie üblich nächtens hochgeklappten Newa-Brücken stromabwärts.

Nachdem die Frachter zehn Tage lang auf der unerwartet früh zugefrorenen Newa festgesessen hatten, konnten sie jetzt ihre Ziele in verschiedenen Ostseehäfen ansteuern. Ein Schiff hatte schon in der Nacht zuvor mit Eisbrecherbegleitung die Brücken passiert, ein weiteres war umgekehrt.

Unerwarteter Eis-Stau auf der Newa

Ein früher und heftiger Wintereinbruch in der zweiten Novemberwoche – nach mehreren äußerst mild verlaufenden Herbsten wirklich überraschend – hatte den üblicherweise noch bis Ende November laufenden Schiffsverkehr auf dem wichtigen Binnenwasserweg von der Ostsee ins russische Inland kalt erwischt: Vor allem eine mehrere Meter dicke Eisbarriere oberhalb der Finnländischen Eisenbahnbrücke mitten in der Stadt erwies sich als unpassierbar – und war auch mehrere Tage lang mit Eisbrecherhilfe nicht passierbar zu machen (Russland-News berichtete).

Die Wasserwege-Verwaltung Wolgo-Balt versuchte zunächst mehrere Tage lang in Eigenregie, das Problem in den Griff zu bekommen. Dann schockierte die Behörde die Schiffseigner mit der Ankündigung, die Schifffahrtsperiode sei für dieses Jahr eben schon beendet – und die Reeder mögen sich doch bitte in Eigenverantwortung und auf eigene Kosten um einen Platz für eine Überwinterung ihrer festsitzenden Schiffe kümmern.

Warmluft verdrängt Katastrophen-Szenarien

Für die Reedereien hätte dies enorme Kosten bedeutet, da sie alle Eisbrecher-Einsätze nun selbst hätten bezahlen müssen. Außerdem war völlig offen, wo die befrachteten Schiffe sicher hätten anlegen können, um den Winter zu überstehen. Es war nicht auszuschließen, dass die Schiffe vom Eis beschädigt werden oder spätestens beim massiven Eisgang im Frühjahr weggerissen werden können. Dies hätte eine Ölpest verursachen und die Petersburger Trinkwasserversorgung gefährden können, da diese aus der Newa erfolgt.

Da die Situation neben wirtschaftlichen auch derartig beträchtliche ökologische Risiken bedeutete, klinkte sich sowohl die Stadtverwaltung wie auch das Verkehrsministerium in die Lösung des Problems ein.

Den wesentlichen Beitrag leistete aber das Wetter: Über das Wochenende kam es zu einem Warmlufteinbruch mit Temperaturen von bis zu 6 Grad plus. Auch jetzt halten in St. Petersburg die Plus-Temperaturen an. Das auf der Newa wild übereinander geschobene und sich vor den Brücken verkeilende Eis begann zu tauen und ging nach und nach in Richtung Ostsee ab.

Am Montag Mittag hob Wolgo-Balt sämtliche Beschränkungen für den Schiffsverkehr auf der Newa auf. Das Fahrwasser ist wieder frei – bis der Winter endgültig kommt.

[ld/russland.NEWS]

Über den Autor

Lothar Deeg
Lothar Deeg geboren 1965 und gebürtig aus Bad Mergentheim. 1991 infizierte ich mich als frisch gebackener Diplom-Journalist auf einer Reise nach Wladiwostok mit dem Russland-Virus. Rudimentär mit VHS-Russischkenntnissen ausgestattet hängte ich 1994 meinen Redakteursposten beim „fliegermagazin“ an den Nagel und siedelte von München nach St. Petersburg um. Dort schreibe ich seitdem als freier Journalist über alles, was mir aus Stadt und Land berichtenswert erscheint – unter anderem als Korrespondent des epd und des Logistik-Fachblatts „Verkehrsrundschau“. Momentan arbeite ich an meinem dritten und vierten Reiseführer über St. Petersburg. Meine Lieblingsjobs sind aber Städte- und Personenporträts für das Bordmagazin der Airline Swiss.