Russlands Zentralbank senkt Leitzins auf 14,5 Prozent

Die russische Zentralbank hat den Leitzins zum achten Mal in Folge gesenkt. Der Schritt auf 14,5 Prozent war erwartet worden, doch die Botschaft aus Moskau bleibt vorsichtig: Wegen anhaltender Inflationsrisiken, geopolitischer Unsicherheit und offener Fragen zur Haushaltspolitik könnte die Lockerung schon bei der nächsten Sitzung pausieren.

Die russische Zentralbank hat ihren Leitzins am Freitag um 0,5 Prozentpunkte auf 14,5 Prozent gesenkt. Es ist bereits die achte Senkung in Folge. Der Lockerungskurs war im Sommer 2025 begonnen worden, nachdem der Leitzins zuvor auf einem sehr hohen Niveau gelegen hatte.

Der Schritt selbst kam für den Markt kaum überraschend. Auffälliger war der vorsichtige Ton der Zentralbank. In ihrer Mitteilung erklärte sie, die Dynamik der Binnennachfrage nähere sich zwar wieder stärker den Möglichkeiten der Angebotsseite an. Gleichzeitig gingen die nachhaltigen Preissteigerungsraten aber bislang nicht weiter zurück. Nach Einschätzung des Regulators liegen sie weiter bei 4 bis 5 Prozent annualisiert. Zudem bleibe die Unsicherheit durch äußere Bedingungen und die Haushaltspolitik erheblich.

Zentralbankchefin Elvira Nabiullina machte nach der Sitzung deutlich, dass weitere Zinssenkungen keineswegs automatisch folgen. Neben der Senkung um 50 Basispunkte habe der Direktorenrat auch eine Pause geprüft. Eine solche Pause sei auch bei der nächsten Sitzung möglich. Alles werde von den eingehenden Daten abhängen.

Damit bremst die Zentralbank Erwartungen, der Zinssenkungszyklus könne nun in gleichmäßigem Tempo weitergehen. In ihrem aktualisierten makroökonomischen Ausblick hob sie die Prognose für den durchschnittlichen Leitzins 2026 sogar leicht an. Statt 13,5 bis 14,5 Prozent erwartet sie nun 14 bis 14,5 Prozent. Zum Jahresende 2026 rechnet der Regulator mit einem Leitzins von 13,3 bis 14 Prozent.

Die Inflationsprognose für das laufende Jahr ließ die Zentralbank unverändert bei 4,5 bis 5,5 Prozent. Die Jahresinflation lag nach ihrer Einschätzung zum 20. April bei 5,7 Prozent. Das mittelfristige Ziel von 4 Prozent soll nach Darstellung des Regulators wieder erreicht werden, doch die proinflationären Risiken überwiegen nach wie vor.

Für Unternehmen und Verbraucher bedeutet die Entscheidung eine nur langsame Entlastung. Zwar sinken die Finanzierungskosten weiter, doch ein Leitzins von 14,5 Prozent bleibt hoch. Kredite bleiben teuer, Investitionen werden gebremst, und auch der private Konsum dürfte weiter unter den hohen Finanzierungskosten leiden.

Die Zentralbank stellt damit klar, dass sie Preisstabilität weiterhin höher gewichtet als eine schnelle Konjunkturbelebung. Das passt zur insgesamt schwachen Wachstumsperspektive: Die Prognose für das russische Bruttoinlandsprodukt 2026 liegt weiterhin nur bei 0,5 bis 1,5 Prozent.

Nabiullina bemühte sich dennoch um Zuversicht. Auf die Frage nach dem Inflationsziel sagte sie, die Rückkehr zu 4 Prozent werde schneller gelingen als die Rückkehr der Menschheit zum Mond. Die Botschaft dahinter bleibt aber nüchtern: Niedrigere Zinsen sind möglich — aber nur, wenn Inflation, Inflationserwartungen und Haushaltspolitik der Zentralbank genügend Spielraum lassen.

Die nächste Zinssitzung ist für Juni vorgesehen. Dann wird sich zeigen, ob die Senkung auf 14,5 Prozent Teil eines fortgesetzten Lockerungskurses war — oder vorerst der letzte Schritt.

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