Seltene „Routine“: Was über den Besuch des CIA-Chefs in Moskau bekannt ist

Seltene „Routine“: Was über den Besuch des CIA-Chefs in Moskau bekannt ist

CIA-Direktor John Ratcliffe hat am 25. August unangekündigt Moskau besucht und Gespräche mit Vertretern russischer Geheimdienste geführt. US-Präsident Donald Trump bestätigte die Reise einen Tag später, versuchte jedoch zugleich, die Erwartungen an ihre Ergebnisse zu dämpfen. Er bezeichnete den Besuch als „eine Art halbroutinemäßig“.

Routine sind Reisen amerikanischer Geheimdienstchefs nach Russland allerdings kaum. Ratcliffe ist der erste amtierende CIA-Direktor, der Moskau seit Beginn des Krieges gegen die Ukraine besucht hat. Sein Vorgänger William Burns war zuletzt im November 2021 in die russische Hauptstadt gereist.

Trump erklärte in einem Telefoninterview mit dem konservativen Radiomoderator Glenn Beck, aus Ratcliffes Gesprächen könne „etwas entstehen“. Die Vereinigten Staaten arbeiteten intensiv daran, den Krieg in der Ukraine zu beenden. Sowohl Russland als auch die Ukraine wollten inzwischen ein Ende des Konflikts, behauptete der US-Präsident.

Nähere Angaben zum Auftrag des CIA-Chefs machte Trump nicht. Beck sprach ihn auf Vermutungen an, Ratcliffe habe Moskau vor einer möglichen Konfrontation mit der NATO warnen oder über die amerikanischen Sanktionen gegen den Iran sprechen sollen. Trump wies beide Versionen zurück: „Nichts davon.“

Auch der Kreml bestätigte den Besuch, blieb bei dessen Inhalt jedoch ähnlich wortkarg. Ratcliffe sei zu „Kontakten zwischen den Geheimdiensten“ nach Moskau gekommen, erklärte Präsidentensprecher Dmitri Peskow. Ein Treffen mit Wladimir Putin habe weder stattgefunden noch auf dem Programm gestanden. Der russische Präsident sei anschließend aber über die Gespräche informiert worden.

Mit wem Ratcliffe zusammentraf und ob konkrete Vereinbarungen getroffen wurden, teilten beide Seiten nicht mit. Der Besuch folgt jedoch auf vorsichtige Versuche, die direkten Verbindungen zwischen den Geheimdiensten wiederzubeleben. Ratcliffe hatte im März 2025 mit dem Chef des russischen Auslandsgeheimdienstes SWR, Sergej Naryschkin, telefoniert. Damals war die Fortsetzung regelmäßiger Kontakte vereinbart worden.

Ein Rückblick des Kommersant zeigt, wie ungewöhnlich persönliche Besuche amerikanischer CIA-Direktoren in Moskau sind. Die Zeitung nennt seit dem Ende der Sowjetunion lediglich vier vergleichbare Reisen.

Robert Gates kam im Oktober 1992 nach Moskau. Bei seinen Gesprächen ging es unter anderem um internationale Kriminalität, Terrorismus und die Verbreitung von Atomwaffen. Präsident Boris Jelzin empfing ihn persönlich.

George Tenet besuchte Russland im August 2000, wenige Tage nach dem Untergang des Atom-U-Bootes „Kursk“. Offiziell wurde ein Zusammenhang mit der Katastrophe bestritten; als Gesprächsthema wurde der internationale Terrorismus genannt.

John Brennan reiste im März 2016 nach Moskau. Bekannt wurde der Besuch erst mehrere Wochen später. Nach amerikanischen Angaben standen der Krieg in Syrien, die dortige Waffenruhe und die Zukunft des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad im Mittelpunkt.

William Burns kam schließlich im November 2021 im Auftrag von Präsident Joe Biden. Vor dem Hintergrund des russischen Truppenaufmarsches an der ukrainischen Grenze sollte er die Moskauer Führung vor einem Angriff auf die Ukraine und dessen Folgen warnen.

Die früheren Reisen fanden somit nicht im diplomatischen Alltag statt, sondern in Phasen besonderer Krisen oder drohender Eskalation. Auch Ratcliffes Besuch fällt in eine Zeit festgefahrener Verhandlungen über den Ukrainekrieg und wachsender Spannungen zwischen Russland und den europäischen NATO-Staaten.

Welche Botschaft der CIA-Direktor tatsächlich überbrachte, bleibt unbekannt. Trumps Äußerungen stellen zwar einen Zusammenhang mit den amerikanischen Bemühungen um ein Ende des Ukrainekriegs her. Seine Bezeichnung als „Halbroutine“ könnte jedoch auch bedeuten, dass Washington und Moskau einen direkten geheimdienstlichen Kanal offenhalten wollen, ohne daraus bereits ein politisches Verhandlungsergebnis abzuleiten.

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