Russland und die USA haben sich nach Angaben der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos darauf verständigt, die Internationale Raumstation ISS bis Ende 2030 gemeinsam zu betreiben. Damit bleibt eines der letzten großen Kooperationsprojekte zwischen beiden Ländern länger erhalten als bislang geplant.
Roskosmos-Chef Dmitri Bakanow gab die Einigung nach dem erfolgreichen Start des russischen Raumschiffs Sojus MS-29 vom Weltraumbahnhof Baikonur bekannt. An Bord befanden sich die russischen Kosmonauten Pjotr Dubrow und Anna Kikina sowie der amerikanische NASA-Astronaut Anil Menon. Das Raumschiff dockte anschließend erfolgreich an der ISS an.
Noch im August vergangenen Jahres war lediglich von einem gemeinsamen Betrieb bis 2028 die Rede gewesen. Anschließend sollten die Vorbereitungen für das kontrollierte Ende der Raumstation beginnen. Nun wurde der Zeitplan offenbar um zwei Jahre verlängert.
Nach Angaben des Büros des russischen Ersten Vizepremiers Denis Manturow haben Moskau und Washington ein gemeinsames Programm ausgearbeitet, das den Betrieb der ISS bis Ende 2030 und anschließend deren schrittweise Stilllegung vorsieht. Eine offizielle Stellungnahme der NASA zu der neuen Vereinbarung lag zunächst allerdings nicht vor.
NASA-Chef Jared Isaacman war zum Start der Sojus-Kapsel nach Baikonur gereist. Bei seinen Gesprächen mit der russischen Seite ging es demnach nicht nur um die Zukunft der ISS. Russland und die USA wollen auch gemeinsame technische Standards entwickeln, die später beim Bau und Betrieb ihrer jeweils eigenen Raumstationen verwendet werden könnten.
Die seit 1998 aufgebaute Internationale Raumstation war ursprünglich nur für einen Betrieb bis 2024 vorgesehen. Ihre Lebensdauer wurde jedoch mehrfach verlängert. Die NASA geht davon aus, dass die Station grundsätzlich bis 2030 sicher betrieben werden kann.
Ganz ohne Probleme ist die Verlängerung nicht. Die alternde Raumstation leidet unter technischen Verschleißerscheinungen. Zuletzt hatte es zwischen NASA und Roskosmos unterschiedliche Einschätzungen darüber gegeben, wie Luftlecks in einem russischen Abschnitt der ISS abgedichtet werden sollten. Zeitweise waren die amerikanischen Astronauten sogar aufgefordert worden, sich auf eine mögliche Notevakuierung vorzubereiten.
Dennoch ist die Einigung politisch bemerkenswert. Während die Beziehungen zwischen Russland und den USA in nahezu allen anderen Bereichen von Sanktionen, gegenseitigen Vorwürfen und militärischer Konfrontation geprägt sind, sind beide Seiten in der bemannten Raumfahrt weiterhin unmittelbar aufeinander angewiesen.
Die ISS bleibt damit zumindest bis Ende 2030 ein Ort, an dem russische Kosmonauten und amerikanische Astronauten nicht nur nebeneinander, sondern miteinander arbeiten. In den gegenwärtigen politischen Verhältnissen ist schon das eine Nachricht.

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