Russland gehört zu den Gründungsstaaten einer neuen internationalen Organisation zur Zusammenarbeit auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz. Vertreter von 29 Ländern unterzeichneten am Donnerstag in Shanghai ein Abkommen über die Einrichtung der World Artificial Intelligence Cooperation Organization, kurz WAICO. Die Initiative geht auf China zurück.
Für Russland unterzeichnete Digitalminister Maksut Schadajew das Gründungsabkommen. Nach Angaben der russischen Regierung soll die Organisation die internationale Zusammenarbeit bei der Entwicklung und Anwendung von KI ausbauen sowie den Zugang zu entsprechenden Technologien und Dienstleistungen erleichtern. Weitere Ziele sind die Förderung sicherer und vertrauenswürdiger Systeme, die Annäherung technischer Standards und die Unterstützung offener Softwarelösungen.
Der für Digitalisierung zuständige russische Vizepremier Dmitri Grigorenko erklärte, Russland gehöre zu den wenigen Ländern, die über eigene große Sprachmodelle verfügten. Die Beteiligung an der Organisation solle es ermöglichen, eigene Erfahrungen und Entwicklungen einzubringen und zugleich internationale Verfahren und Technologien zu übernehmen. Moskau misst der internationalen Zusammenarbeit im Bereich der künstlichen Intelligenz nach seinen Worten eine besondere Bedeutung bei.
China hatte die Gründung der Organisation erstmals im Juli 2025 auf der Weltkonferenz für künstliche Intelligenz in Shanghai vorgeschlagen. Ministerpräsident Li Qiang begründete die Initiative damals mit der zunehmenden Zersplitterung der internationalen KI-Regulierung und dem Risiko, dass leistungsfähige Technologien nur wenigen Staaten und Unternehmen zur Verfügung stehen könnten. Als Sitz der Organisation ist Shanghai vorgesehen.
Die chinesische Initiative richtet sich besonders an Staaten, die bislang nur begrenzten Zugang zu Rechenleistung, Daten, Fachkräften und leistungsfähigen KI-Modellen haben. Peking stellt dabei die wirtschaftliche Entwicklung, die Verbreitung offener Technologien und den Abbau der technologischen Unterschiede zwischen Industrie- und Entwicklungsländern in den Vordergrund. Zugleich soll die Organisation als Forum für gemeinsame Standards und Regeln dienen.
Russlands Präsident Wladimir Putin hatte den chinesischen Vorschlag nach Angaben der russischen Regierung bereits im Februar unterstützt. Die Teilnahme an WAICO ergänzt die Bemühungen Moskaus, seine technologische Zusammenarbeit stärker auf China, die BRICS-Staaten und weitere Länder außerhalb des westlichen Sanktionsraums auszurichten.
Welche praktische Bedeutung die neue Organisation erhalten wird, dürfte davon abhängen, welche Staaten ihr dauerhaft beitreten, wie verbindlich ihre Beschlüsse sein werden und ob gemeinsame technische oder regulatorische Projekte entstehen. Bislang bestehen weltweit mehrere, teilweise konkurrierende Foren zur Regulierung künstlicher Intelligenz. WAICO tritt nun mit dem Anspruch hinzu, stärker als bisher die Interessen von Schwellen- und Entwicklungsländern zu berücksichtigen.

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