Russische Kraftwerkstechnologie wird ein Drittel des Stroms im Iran liefern

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Die Russische Staatliche Kooperation für Atomenergie ROSATOM und die Islamische Republik Iran einigten sich am Dienstag, den 11.11.2014, auf eine Lieferung von acht Atomreaktoren des Typs WWER. Die Druckwasser-Reaktoren sollen das Atomkraftwerk in Buschehr um vier Blöcke erweitern. Zudem wurde der Bau eines weiteren Atomkraftwerks mit vier Blöcken vereinbart, wobei der Standort noch nicht bekannt ist.

Sergey Kirijenko, Hauptgeschäftsführer der Russischen Staatlichen Kooperation für Atomenergie ROSATOM, teilte im Rahmen der Vertragsunterzeichnung mit: „Das Vertragswerk sieht eine Zusammenarbeit beim Bau von acht Reaktorblöcken vor. Dies ist ein großes und langfristiges Programm, angelegt für die nächsten zehn Jahre. Die Einigung umfasst den Bau von zwei Reaktorblöcken in Buschehr, eine Erweiterung um weitere zwei Blöcke soll folgen. Sowohl die Lieferungen der Komponenten als auch der Brennelemente werden unter der Kontrolle der IAEO und unter strikter Einhaltung der internationalen Regelungen durchgeführt. Dies schließt unter anderem eine Garantie für die Nichtweitergabe von Atomwaffen sowie die friedlichen Nutzung der Atomenergie ein.“

Die weitreichende Übereinkunft wird die Energieinfrastruktur und auch die Wirtschaft des Irans nachhaltig verändern: Aktuell ist der iranische Strom- und Wärmemarkt zu 90 Prozent von heimischem Öl und Gas abhängig. Mit den neuen Atomanlagen werden neun Millionen Haushalte, also ein Drittel der iranischen Bevölkerung mit Elektrizität versorgt. Die eingesparten Gas- und Ölreserven will der Iran für den Export verwenden.

Die Auslieferung der beiden WWER-Reaktoren für Buschehr soll schnell erfolgen: Die exakte Spezifikation der Reaktoren, der genaue Zeitplan sowie die Vertragssummen werden in den kommenden Wochen festgelegt. Zudem soll mittelfristig zwei weitere Reaktoren in Buschehr errichtet werden, mit deren Hilfe auch eine Meerwasserentsalzungsanlage betrieben werden soll.

Sergey Kirijenko dazu: „ROSATOM hat über siebzig Jahre Erfahrung im Nuklearbereich. Unsere Technologie und Expertise wird eine immer wichtig werdende Rolle spielen, da der Anteil der Atomkraft im weltweiten Energiemix kontinuierlich wächst, auch in Ländern mit großen fossilen Brennstoffreserven. Bei der zivilen Nutzung der Atomenergie ist die Zusammenarbeit sehr wichtig. Wir bei ROSATOM sind stolz darauf, unsere iranischen Partner auf ihrem langen und schwierigen Weg zu unterstützen. Einen Weg, der dem Iran großen sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Nutzen bringen wird“.

Ali Akbar Salehi, Leiter der Iranischen Atomenergieorganisation AEOI, ordnet den Vertrag wie folgt ein: „Es ist eine Wende in den Beziehungen unserer beider Länder. Der Iran entwickelt sich und wir sehen in der iranisch-russischen Zusammenarbeit bei der friedlichen Nutzung von Atomkraft große Perspektiven“.

Beide Vertragsparteien stimmen darin überein, beim Bau, dem Betrieb und auch beim Rückbau der Atomanlagen möglichst viele iranische Unternehmen und Dienstleistungen zu integrieren, um den iranischen Arbeitsmarkt zu stärken und Fachwissen zu vermehren. Zusätzlich werden Experten von ROSATOM Schulungen, Weiterbildungskurse sowie Workshops an iranischen Hochschulen, Behörden und bei beteiligten Unternehmen anbieten.

Die Brennstoffe für die neuen Reaktoren werden von TVEL, einem Tochterunternehmen von ROSATOM, bereitgestellt. TVEL übernimmt auch den Rücktransport und die Wiederaufbereitung. In einer separaten Vereinbarung wurde die Kooperation bei der Assemblierung von Brennelementen auf iranischem Boden beschlossen. Dies erscheint nach der Inbetriebnahme aller acht neuen Reaktoren wirtschaftlich sinnvoll. Die Brennelementfertigung wird unter russischer Lizenz erfolgen.

Die russisch-iranische Kooperation wird von der Internationalen Atomaufsichtsbehörde IAEO überwacht. Sie entspricht den Vorgaben des Vertrages über die Nichtverbreitung von Kernwaffen aus dem Jahr 1968 sowie allen anderen internationalen Vereinbarungen, die der Iran und Russland ratifiziert haben. Beide Vertragsparteien versprachen zudem alle zukünftigen Einigungen der P5+1-Gruppe mitzutragen.