„Russenmafia“ offensichtlich im portugiesischen Fußball aktiv

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Geahnt haben es schon viele, Genaues gewusst hat niemand nichts. Die Russenmafia lebt und scheint offensichtlich auch in Sportskandale verwickelt zu sein. Erst kürzlich konnte Europol als federführende Behörde zusammen mit der portugiesischen Polizei eine Zelle der Mafia in Portugal ausheben, die scheinbar schon seit langem in Fußballklubs „investiert“ hatte.

Demnach sollen „mehrere Millionen Euro“ gewaschen worden sein. Nach Angaben von Europol soll das zwielichtige Spiel seit 2008 gut funktioniert haben. Seit rund einem Jahr wurde schließlich ermittelt. Im Visier der russischen Gönner standen offenbar bevorzugt Vereine, die in akute Geldnot geraten waren. Darunter sogar vier große Vereine, auch wenn die übergreifende europäische Polizeibehörde bisher keine Namen nennt.

Im Zuge der Ermittlungen seien drei Angehörige der russischen Fußball-Mafia inhaftiert worden, bei denen zudem mehrere Tausend Euro Bargeld konfisziert wurde. Laut der französischen Nachrichtenagentur AFP kämen die Verdächtigen aus der Klubführung des portugiesischen Fußballvereins União de Leiria, der schon vor langem vom Erstligisten in die Drittklassigkeit durchgereicht wurde. Unter den Verhafteten befände sich auch der ehemalige russische Fußballspieler und spätere Präsident Alexander Tolstikow.

Das Netzwerk werde als Zelle einer wichtigen russischen Mafiaorganisation angesehen, teilte die EU-Polizeibehörde mit. Angeblich seien die kriminellen Geschäftsabwicklungen außerhalb von Europa getätigt worden. So wie es dargestellt wird, ging die Verbrecherorganisation stets nach dem gleichen Muster vor. Als erstes tilgte ein russischer Mäzen weitgehend die Verbindlichkeiten der verschuldeten Vereinen, bis er sich schließlich als „Gegenleistung“ den gesamten Klub aneignete.

Auf die Fährte der russischen „Sportsfreunde“ seien die Ermittler aufgrund deren auffallend feudalen Lebenswandels gestoßen. Daraufhin wurde das Zentralregister durchsucht, in dem sämtliche Vorstrafen der Festgesetzten akribisch aufgeführt waren. Der Abschluss der Untersuchungen wird sich bei der Größenordnung der abgewickelten „Geschäfte“ indes noch über einen längeren Zeitraum erstrecken.

[mb/russland.RU]

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.