Reise durch das Schwarze Quadrat in den Kosmos

Foto: commons.wikimedia/Fillia (Luigi Colombo, 1904-1936), Rechtefrei

[von Bernhard Wiens] Der russische Kosmismus verspricht Unsterblichkeit. Doch am Ende steht die alte Erfahrung: Das Leben ist kurz, die Kunst ist lang.

Einem Kritiker, der dem Bild „Das Schwarze Quadrat“ von Kasimir Malewitsch nicht sehr gewogen scheint, fielen vor Jahren die Risse und Schrunden auf dem Gemälde auf, dessen bebekannteste Fassung von 1915 in Moskau hängt. Endlich hatte er eine Interpretation: Nachts entfleuchen aus den Ritzen kleine Teufelchen, die Moskau überfallen.1

Ganz anders ging Bernd Scherer, der Leiter des Berliner „Haus der Kulturen der Welt“, heran, als er eine Tagung samt kleiner Ausstellung zum „Russischen Kosmismus“ eröffnete. Einstmals wurden russische Ikonen mit einem Firnis überstrichen. Der ließ im Lauf der Jahre die Bilder dunkeln, bis sie schwarz waren. Als im 19. Jahrhundert neue Restaurierungstechniken erfunden waren, kamen die alten Motive wieder zum Vorschein. Malewitschs bis heute so provokantes Bild ist die Aufforderung, die ursprünglichen Elemente des Lebens neu zu entdecken. Es ist eine Aufforderung zur Wiederbelebung der Vorfahren.

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