Putin und der Valdai-Klub

Klar mit Rahr

Rahr, Prof. Alexander (c) russlandkontrovers

[von Prof. Alexander Rahr] Der renommierte Valdai-Klub lädt wieder zu seiner Jahrestagung nach Sotschi ein. Endlich wieder eine Gelegenheit für westliche und russische Politologen, sich vier Tage lang hoch oben in den Bergen an der malerischen Schwarzmeerküste über die komplizierte Weltlage auszutauschen.

Die Tagung ist an Spannung kaum zu überbieten; die Teilnehmer erhalten die Möglichkeit, mit der russischen Führung stundenlang zu debattieren. Die russische Sicht auf globale Konfliktfelder wie Syrien, Nordkorea, Iran zu erkunden.

Mit großer Spannung wird, wie jedes Jahr, die Rede Vladimir Putins vor dem Valdai Klub erwartet. Putin wird sich nicht nur zu den aktuellen Problemen der Weltpolitik äußern, er wird Lösungsvorschläge zur Bewältigung so mancher Krisen machen und die zahlreichen Fragen der weitergereisten ausländischen Teilnehmer beantworten.

Putin wird sagen, dass die Erschaffung einer multipolaren, anstelle einer unipolaren, Welt abgeschlossen ist. China hat die USA wirtschaftlich eingeholt, die asiatischen Industrienationen zur Europäischen Union aufgeholt, im postsowjetischen Raum wächst die Bedeutung der eurasischen Union, die G20 ist längst signifikanter als die durch Donald Trump zerrüttete G7.

Russland bereitet sich auf eine große Öffnung anlässlich der Fußballweltmeisterschaft vor. Pünktlich zu Beginn der Spiele sollen die störenden Sanktionen aufgehoben werden.

Die Wirtschaftskrise ist überwunden, Putin will für weitere sechs Jahre Präsident bleiben und bereitet ein Regierungsprogramm vor, das klare liberale Züge, aber staatliche Kontrolle in den Schlüsselindustrien beinhaltet.

Interessant ist die Verjüngung des Spitzenpersonals, vor allem auf der Ebene der Gouverneure. Inwieweit die 30-40jährigen Jungpolitiker wirklich unabhängig sind und besser administrieren werden, als ihre teils verbrauchten Vorgänger, wird die große Frage sein.

Im Valdai Klub wird genug Zeit sein, um zu diskutieren, wie der Minsker Prozess in der Ostukraine endlich vorwärts kommen kann. Moskau pocht auf die Internationalisierung des Konflikts mittels einer Entsendung von UN-Blauhelmen.

Großes Interesse herrscht im Kreml an einer guten Zusammenarbeit mit der kommenden Bundesregierung. Die dazu folgenden Vorschläge Putins könnten auf den kommenden „großen“ deutsch-russischen Foren im November – gemeint sind die Potsdamer Begegnungen, der Petersburger Dialog und das deutsch-russische Rohstoffforum – aufgegriffen werden.

Es kann nur besser werden.

Über den Autor

Prof. Alexander Rahr
Prof. Hon. Alexander Rahr (*1959) ist ein bekannter internationaler Politikwissenschaftler und Politikberater. In den 1980er begann er seine Karriere als Sowjetologe beim US-Sender Radio Freies Europa. Von 1994 bis 2012 leitete er das Russland/Eurasien Zentrum in der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik und beriet Bundesregierung und Bundestag. 2012 wechselte Rahr als Unternehmensberater in die Energiewirtschaft, wo er u.a. Gazprom Brüssel berät. Er arbeitet aber weiter als unabhängiger Politologe an Projekten im Deutsch-Russischen Forum. Rahr ist Honorarprofessor an der Moskauer Diplomatenhochschule und Hochschule für Ökonomie. Er ist Träger des Bundesverdienstkreuzes. Seit 2002 sitzt er im Petersburger Dialog. Von 2004-16 sass er im Vorstand des ukrainischen Think Tanks YES. Er hat zehn Bücher über Russland veröffentlicht (in mehreren Sprachen).