Ostukraine: Oppositionelle weichen nicht [mit Videos]

Gebietsverwaltung in Lugansk weiter besetzt – Widersprüchliches aus Charkow - auch in Odessa droht Gewalt

Donezk – Lugansk – Charkow – in allen drei Metropolen der Ostukraine gehend die Aktivitäten der Antimaidan-Opposition trotz Eingriffs der Sicherheitskräfte unvermindert weiter. Barrikaden, Straßenschlachten oder angespannte Ruhe prägen nach Auskunft der örtlichen Medien das Bild. Auch in anderen Städten wie Odessa, Nikolajew oder Dnepropetrowsk ist Antimaidan-Opposition aktiv.

  • Dieser Bericht beruht ausschließlich auf Quellen in der Ostukraine, um eine Verfälschung unserer Berichterstattung durch deutsche oder russische Propaganda zu verhindern.

Während in Charkow die regionale Gebietsverwaltung von Sicherheitstruppen gestürmt worden war ist die in Lugansk weiterhin von Oppositionellen besetzt. Vor der Tür harren dauerhaft seit Beginn der Kämpfe mehrere tausend Menschen aus, die sich immer wieder abwechseln, im Gebäude hatten sich mehrere hundert von ihnen verbarrikadiert. Hier Aufnahmen, die von der letzten Nacht in Lugansk stammen sollen:

Die Autoreifen für zünftige Feuer im Falle des Eingreifens von Sicherheitskräften stehen schon bereit. Dieses Amateurvideo soll Sympathisanten der Oppositionellen im Parlament aus Lugansk auf dem Weg zur Unterstützung zeigen. Es fällt auf, dass die Menge größtenteils aus erwachsenen Männern besteht:

https://www.youtube.com/watch?v=Nzov4DUjkiY

Die Forderungen vor Ort unterscheiden sich dabei durchaus. Während Oppositionelle in Charkow und Donezk in den letzten Tagen die Unabhängigkeit von der Ukraine erklärten kämpfen die Lugansker nach ihrem Forderungskatalog nur für eine Föderalisierung der Ukraine und eine Amnestie für die Teilnehmer an den Unruhen in der Region nach dem Vorbild des Euromaidan. Dass es aber auch in Lugansk äußerst radikale prorussische Opposition gibt, zeigt sich beispielsweise schon am Auftritt dieser Herren:

https://www.youtube.com/watch?v=1RHra4Sno_g

Auch in Donezk sollen noch öffentliche Gebäude in den Händen der Antimaidaner sein. Hier ein Amateurfilm aus der letzten Nacht in Donezk

Während die Regierungsseite in Charkow von 70 Verhaftungen im Zuge der Erstürmung der Regionalverwaltung spricht, berichtet die örtliche Onlinezeitung Oplot, die für eine Unabhängigkeit ihrer Region eintritt, von bis zum 200 Verschwundenen. Oplot könnte auch einUrsprung der in Russland verbreiteten Meldungen über ausländische Söldner im Dienst der Euromaidaner sein, denn die Zeitung zeigte örtliche Fotos schwarz uniformierter und maskierter Sicherheitskräfte, die weder russisch noch ukrainisch beherrscht haben sollten. Filmaufnahmen zum Beleg konnten wir hierzu nicht recherchieren. Hier jedoch ein Amateurfilm eines Euromaidan-Sympathisanten, der gefangene Antimaidaner aus Charkow zeigt:

Hier sehen wir solche Herren vor ihrer Gefangennahme offensichtlich in einem von ihnen verteidigten Gebäude

Währenddessen versucht es die neue Ukrainische Regierung weiterhin mit einer harten Hand. So hat das ukrainische Parlament das Strafmaß für Separatismus, der im Land unter Strafe gestellt ist, auf bis zu 10 Jahre erhöht. Dieses Verhalten der Kiewer Politik steht auch unter der verstärkten Beobachtung der ostukrainischen Medien. So veröffentlichte die Onlinezeitung Tajmer aus Odessa ein eine komplette Liste der Abgeordneten aus der Region, die für diese Gesetzesänderung gestimmt haben, die vor Ort nicht nur unter Separatisten sehr kritisch gesehen wird. Auch für Odessa kündigte die prorussische Opposition gewaltsamen Widerstand an, wenn ihr Dauercamp in der Stadt von Regierungseinheiten oder Aktivisten des Rechten Sektor angegriffen werden sollte.

Zwischen dem Rechten Sektor und prorussischen Aktivisten hatte es in Odessa bereits im März gewaltsame Auseinandersetzungen gegeben, der örtliche Antimaidan-Oppositionsführer Davidtschenko sitzt seit mehreren Wochen in Kiew in Haft. Während die Ukrainische Regierung den Demonstranten vor Ort immer wieder russische Unterwanderung unterstellt, kritisiert die örtliche Opposition, dass die eingesetzten Sicherheitskräfte überwiegend aus der Westukraine stammen, darunter Nationalgardisten, die komplett aus den Reihen des neofaschistischen „Rechten Sektor“ rekrutiert wurden. Diese Einsätze führen zu einer weiteren Solidarisierung der Opposition mit dem benachbarten Russland, das diese Umstände neben ihnen als einziges kritisiert.