Osteuropa rockt die Tourismusbranche

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Reisen nach und in Osteuropa liegen offenbar wieder voll im Trend. Destinationen wie die Tschechische Republik, Polen und das Baltikum können sich demnach auch weiterhin vieler Westeuropäischen Touristen erfreuen. Wie die Branche berichtet, gäbe es sogar wieder eine verstärkte Nachfrage für Reisen nach Russland.

Sie galten bereits kurz nach dem Fall des Eisernen Vorhangs als die Tourismus-Klassiker schlechthin. Städtereisen nach Prag, Budapest oder Krakau waren bereits seit Anfang der 1990er Jahre das begehrte Ziel für all diejenigen, die gerne einmal wieder etwas Neues sehen wollten und die polnische Ostseeküste lockte familienweise Badeurlauber für wenig Geld. Unter den Jüngeren gelten noch heute Prag und Krakau, leger gesagt, als Hip. Unmittelbar darauf folgten weiter im Norden Vilnius, Riga und Tallinn. Eine gewisse Exotik des bisher Verborgenen und unschlagbar niedrige Wechselkurse lockten die Traveller in Scharen.

Nun heißt es aus der Branche, dass auch Russland wieder an Fahrt gewönne. Lag dort der Reisemarkt nach beginn der Krimkrise 2014 nahezu brach, scheint sich die Situation wieder zu normalisieren. Vergessen scheint das touristische „Annus horribilis“ 2015. Gefragt seien natürlich wieder die Flußkreuzfahrten im Nordwesten Russlands, die in den beiden vergangenen Jahren nahezu komplett aus dem Programm genommen wurden, sowie die Klassiker auf der Transsibirischen Eisenbahn.

Die Veranstalter wittern Morgenluft

So gut wie keine Rolle mehr spiele der „Ehemaligen-Tourismus“, der Anfang der 90er Königsberg und das ehemalige Ostpreußen scharenweise in Bussen in die verlassene Heimat brachte. Vielmehr reiht sich heute Kaliningrad allmählich unmittelbar ein in die immer gefragten Städtereisen nach St. Petersburg, das man sogar befristet per Schiff ohne russisches Visum bereisen darf, und Moskau. Sogar die Krim erlebe derzeit eine leichte Nachfrage, wenngleich auch zögerlich. Christian Rothenfluh, der Geschäftsführer des Schweizer Unternehmens „Kira Travel“, macht hierfür die Reisewarnungen der Auswärtigen Ämter, sowie die Visakosten für die russische Föderation verantwortlich.

Für den Zuwachs sehe man den schwächelnden Rubel verantwortlich, wenngleich man dieses Plus leider nicht als Ermäßigungen weitergeben könne, wegen der „Überschwemmung des russischen Markts mit chinesischen Touristen“, wie Felix Sandmayr, Geschäftsführer von „Atlas Reisen“ und Leiter für Spezialreisen bei „Media Touristik“ einräumen muss. Es gäbe einen klaren Aufwärtstrend für Russland. Außerdem habe sich die Kundschaft laut Sandmayr an Putin gewöhnt. Nicole Bratke von „Kontiki Reisen“ schlägt in die gleiche Kerbe, wenn sie sagt: „Die weltpolitische Situation beeinflusst das Reiseerlebnis in Russland nicht und man kann sicher dorthin reisen. Zudem hat das letzte Jahr verdeutlicht, dass wir als Reisende auch in beliebten westeuropäischen Zielen nicht vor Gefahren gefeit sind.“

Bei allen Erwägungen zur Weltpolitik wundert es daher nicht, dass zur Zeit anscheinend niemand in die Ukraine reisen will. Dieser Markt sei seit beginn des Maidans so gut wie tot, heißt es branchenweit. Angeboten würden dagegen seit neuestem Reisen in die Kaukasusländer Georgien, Aserbaidschan und Armenien. Laut Christian Rothenfluh erwache die Region allmählich und gelte bereits als „Geheimtipp“ unter den osteuropäischen Destinationen. „Besonders“, so schwärmt er, „Georgien und dessen Hauptstadt Tiflis ist eine Reise wert – schon nur wegen dem vorzüglichen Essen und den lokalen Weinen.“

Somit lässt sich getrost konstatieren, dass Osteuropa sein verstaubtes Image längst abgelegt hat und stattdessen mit interessanten Städten und atemberaubenden Landschaften glänzt. Auch die neu geschaffene Infrastruktur und das Gefühl der Sicherheit verhelfen einer Reise ins osteuropäische Ausland unter Garantie zu einem bleibenden Erlebnis.

[mb/russland.RU]

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.