Moskau fordert Abzug amerikanischer Atomwaffen aus Europa

Moskau fordert Abzug amerikanischer Atomwaffen aus Europa

Russland hat erneut den Abzug amerikanischer Atomwaffen aus Europa gefordert. Nach Angaben russischer Medien erklärte Andrej Beloussow, Sonderbotschafter des russischen Außenministeriums, die USA müssten ihre nuklearen Waffen aus europäischen Ländern entfernen. Zugleich müsse die gesamte Infrastruktur für deren Stationierung abgebaut werden.

Beloussow begründete die Forderung mit der geografischen Nähe dieser Waffen zu Russland. Da von Europa aus wichtige zivile und militärische Infrastruktur auf russischem Territorium getroffen werden könne, seien die in Europa stationierten amerikanischen Atomwaffen aus Moskauer Sicht „im Grunde strategisch“. Damit stellt Russland sie nicht als rein taktisches Abschreckungsmittel der NATO dar, sondern als Teil des strategischen Kräfteverhältnisses zwischen Moskau und Washington.

Gleichzeitig wies Beloussow Vorwürfe zurück, Russlands eigenes taktisches Atomwaffenarsenal stelle eine direkte Bedrohung für die USA dar. Russische taktische Nuklearwaffen untergrüben nicht die Sicherheitsgleichung, die sich bereits in der frühen postsowjetischen Zeit herausgebildet habe und bis heute Grundlage strategischer Stabilität sei, sagte der Diplomat.

Damit knüpft Moskau an eine seit Jahren bekannte Argumentationslinie an: Die USA werfen Russland nukleare Drohgebärden und die Senkung der Einsatzschwelle vor; Russland wiederum verweist auf die amerikanische nukleare Teilhabe innerhalb der NATO. Im Rahmen dieser Teilhabe lagern US-Atomwaffen in mehreren europäischen NATO-Staaten. Die Kontrolle bleibt formal bei Washington, im Ernstfall wären aber auch europäische Trägersysteme und Piloten in die Einsatzplanung eingebunden.

Brisant ist die Forderung auch deshalb, weil die traditionelle Rüstungskontrollarchitektur zwischen Russland und den USA weitgehend zerfallen ist. Der New-START-Vertrag, das letzte große bilaterale Abkommen zur Begrenzung strategischer Atomwaffen, ist Anfang Februar 2026 ausgelaufen. Russland hatte zuvor angeboten, die quantitativen Begrenzungen noch ein weiteres Jahr einzuhalten, falls auch die USA sich dazu verpflichten. Eine neue verbindliche Vereinbarung gibt es bislang jedoch nicht.

Moskau versucht nun offenbar, die amerikanischen Atomwaffen in Europa zu einem zentralen Punkt möglicher neuer Gespräche über nukleare Rüstungskontrolle zu machen. Für Washington und die europäischen NATO-Staaten dürfte genau das schwer akzeptabel sein. Die nukleare Teilhabe gilt im Bündnis als politisches Symbol amerikanischer Sicherheitsgarantien für Europa — besonders seit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine.

Die russische Forderung hat damit zwei Ebenen. Sie ist einerseits Teil der diplomatischen Positionierung vor möglichen neuen Rüstungskontrollgesprächen mit den USA. Andererseits richtet sie sich auch an europäische Staaten, in denen die Stationierung amerikanischer Atomwaffen innenpolitisch seit Jahrzehnten umstritten ist.

Ob daraus reale Verhandlungen entstehen, ist offen. Wahrscheinlicher ist vorerst, dass Moskau das Thema nutzt, um die westliche Abschreckungspolitik als Bedrohung für Russland darzustellen — und zugleich die eigene nukleare Aufrüstung und Rhetorik als Reaktion auf westliche Politik zu rechtfertigen.

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