Die Zahl neu registrierter Bestattungsunternehmen ist in Russland kräftig gestiegen. Von einem florierenden Geschäft kann dennoch nur eingeschränkt die Rede sein: Viele Anbieter kommen aus der Schattenwirtschaft, andere entstehen durch die Aufteilung bestehender Firmen. Gleichzeitig sparen die Kunden an Särgen, Grabsteinen und Trauerfeiern.
Im ersten Halbjahr 2026 wurden in Russland 995 Unternehmen und Einzelunternehmer neu registriert, deren Hauptgeschäft in Bestattungsdienstleistungen besteht. Das waren 22,5 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres und zugleich der höchste Halbjahreswert seit fünf Jahren. Dies geht aus einer Auswertung des Unternehmensregisters Rusprofile hervor.
Ende Juni waren landesweit rund 11.500 Anbieter von Bestattungsleistungen registriert, 7,6 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Der Markt wird von Kleinunternehmern geprägt: 81 Prozent der erfassten Anbieter sind als Einzelunternehmer registriert.
Die Zahlen könnten zunächst auf einen stark wachsenden Bedarf schließen lassen. Branchenvertreter führen den Anstieg jedoch vor allem auf die Legalisierung bislang informeller Geschäftstätigkeit und auf Veränderungen im Steuerrecht zurück.
Bestattungsagenten verlassen die Grauzone
Nach Einschätzung des Direktors des Instituts zur Erforschung sozialpolitischer Probleme, Anton Orlow, haben Tausende Bestattungsagenten über Jahre ohne offizielle Registrierung gearbeitet. Wer Kartenzahlungen annehmen oder staatliche Beihilfen abrechnen wolle, müsse seine Tätigkeit inzwischen legalisieren.
Regelmäßige Kontrollen der Aufsichtsbehörden erhöhten den Druck auf informell arbeitende Anbieter, erklärte auch Jelena Andrejewa vom Verband der Bestattungsunternehmen und Krematorien. Ein Teil des statistischen Wachstums entsteht somit nicht durch neue Geschäftstätigkeit, sondern dadurch, dass bereits bestehende Anbieter erstmals sichtbar werden.
Hinzu kommt eine Änderung bei der Umsatzsteuer. Seit Anfang 2026 wurde die Umsatzgrenze für eine Befreiung von der Mehrwertsteuer von 60 Millionen auf 20 Millionen Rubel gesenkt. Kleinere Bestattungsunternehmen mit mehreren Agenten können dadurch aus der bisherigen Steuervergünstigung herausfallen.
Nach Einschätzung von Strategy Partners reagieren einige Anbieter darauf mit einer Aufteilung ihres Geschäfts auf mehrere Einzelunternehmen. Ein neu registrierter Betrieb bedeutet daher nicht zwangsläufig einen zusätzlichen Wettbewerber. Er kann auch Teil eines Unternehmens sein, das zuvor unter einer einzigen juristischen Person gearbeitet hat.
Daneben entstehen tatsächlich neue Kleinstunternehmen. Ehemalige Mitarbeiter von Bestattungsdiensten und Leichenhallen sowie selbstständige Fahrer versuchen, mit vergleichsweise geringem Kapitaleinsatz ein eigenes Geschäft aufzubauen.
57,8 Milliarden Rubel für Bestattungen
Die Ausgaben der russischen Bevölkerung für Bestattungsleistungen stiegen nach Angaben von Rosstat von Januar bis Mai um 9,6 Prozent auf 57,8 Milliarden Rubel. In den größeren Städten kostet eine Beerdigung inzwischen durchschnittlich zwischen 90.000 und 110.000 Rubel. Das sind 12 bis 15 Prozent mehr als vor einem Jahr.
Ein wachsender Umsatz bedeutet jedoch nicht automatisch, dass mehr oder aufwendiger bestattet wird. Branchenexperten führen den Anstieg hauptsächlich auf höhere Preise zurück. Holz, Metall, Transporte und andere Vorleistungen haben sich verteuert. Allein die durchschnittlichen Herstellungskosten eines Sarges stiegen innerhalb eines Jahres um elf Prozent auf 9.200 Rubel.
Gleichzeitig entscheiden sich viele Angehörige für einfachere Beerdigungen. Sie verzichten auf zusätzliche Bestandteile der Trauerfeier, kaufen schlichtere Särge oder ersetzen Grabsteine aus Granit durch günstigere Ausführungen aus Beton.
Neue Kleinunternehmen verstärken den Preiswettbewerb zusätzlich. Branchenvertreter berichten von Rabatten und Dumpingangeboten. Während die Gesamtausgaben steigen, sinkt daher teilweise der Umfang der Leistungen, die Kunden für ihr Geld erhalten.
Mehr Firmen, aber kaum höhere Gewinne
Die Gewinnmargen der Bestattungsunternehmen haben sich nach Angaben aus der Branche trotz wachsender Umsätze nicht wesentlich verbessert. Höhere Material- und Logistikkosten treffen auf eine sinkende Zahlungsfähigkeit vieler Haushalte. Zugleich zwingt die größere Zahl kleiner Anbieter die Unternehmen, ihre Preise möglichst niedrig zu halten.
Die Branche wächst damit vor allem auf dem Papier: Es gibt mehr registrierte Firmen und die Bevölkerung gibt nominal mehr für Bestattungen aus. Dahinter stehen jedoch weder luxuriösere Beisetzungen noch zwangsläufig eine sprunghaft gestiegene Nachfrage.
Ob die Zahl der Todesfälle zum Wachstum beiträgt, lässt sich anhand aktueller amtlicher Daten nicht beurteilen. Rosstat veröffentlicht derzeit keine laufenden Angaben zur Sterblichkeit. Das Gesundheitsministerium hatte zuletzt für das erste Halbjahr 2025 einen Anstieg der Zahl der Verstorbenen um lediglich 0,9 Prozent auf 915.900 gemeldet. Aktuellere Vergleichszahlen liegen nicht öffentlich vor.
Der Bestattungsmarkt liefert deshalb keinen belastbaren Beleg für eine ungewöhnliche Entwicklung der Sterblichkeit. Er zeigt vielmehr eine Branche im Umbau: Informelle Anbieter werden sichtbar, Unternehmen passen sich an neue Steuervorschriften an und immer mehr Kleinbetriebe konkurrieren um Kunden, die sich selbst beim letzten Abschied zunehmend einschränken müssen.

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