Litauen verstärkt Grenzsicherung zu Kaliningrad

Foto: Myriams-Fotos CC0 Public Domain via Pixabay
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Nein, um es gleich vorweg zu schicken, die folgenden Zeilen sind keine Satire, sondern bierernst ausgeklügelte Realpolitik. Der Südwesten des baltischen Staates Litauen hat derzeit nämlich ein besonders wachsames Auge auf seine Grenze zu der russischen Exklave Kaliningrad geworfen. Erörtert wird ein etwas seltsamer Plan.

Nachdem Litauen, ebenso wie die beiden anderen Baltenländer sowie Polen, die laut gedachte Befürchtung hegt von den russischen Vandalen genauso überrannt zu werden, wie diess angeblich auf der Krim geschehen sein soll, scheint man dort in ewiger Furcht vor seinem Nachbarn zu leben. Eine verstärkung der Grenzsicherung wurde soeben erörtert. Der litauische Innenminister Eimutis Misiunas will nun, so begründet er diesen Schritt, der Sicherheit seines Landes halber effektiv gegen den Schmuggel vorgehen und, quasi nebenher, dem erklärten Ziel einer „Verstärkung der Außengrenze der Europäischen Union“ folgen.

Schon im kommenden Frühjahr will man mit den umfangreichen Arbeiten beginnen. Abgeschlossen soll das ehrgeizige Projekt dann bereits gegen Ende des Jahres sein, sagt Innenminister Misiunas. Man merkt ihn drängt die Zeit. Die Grenzsicherung, die auf rund 130 Kilometer neu in Angriff genommen wird, wird vermutlich mit knapp 30 Millionen Euro zu Buche schlagen. 25 Millionen Euro werden von der EU getragen werden müssen. Litauens Anteil soll auf 3,6 Millionen Euro veranschlagt worden sein. Real betrachtet scheinen die Kosten für das Unterfangen nicht zu hoch gegriffen, wenn nicht…

Ja wenn es sich nicht einfach um einen ordinären Zaun handeln würde, womit diese so wertvolle EU-Außengrenze geschützt werden soll. Da kam selbst der Herr Innenminister etwas ins straucheln, als er der gespannten Weltöffentlichkeit seine wackeren Pläne verriet. „Panzer wird das nicht aufhalten“, musste Misiunas einräumen, fand aber dann doch noch eine plausible Erklärung für das Projekt: „Aber er [der Zaun] wird so konstruiert sein, dass es schwierig wird, darüber zu klettern.“ Na Gott sei Dank, das Abendland scheint (vorerst) dank Litauen gerettet.

[mb/russland.RU]

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.