Korruption: Klitschko bezieht schon wieder Prügel

Foto: Chatham House CC BY 2.0 via Flickr

Der amtierende Bürgermeister von Kiew soll aufs Neue in einen Korruptionsskandal verwickelt sein. Offenbar hat Vitali Klitschko sein Auslandsvermögen, darunter Immobilien in Hamburg und Los Angeles, an der Steuer vorbei genutzt. Die ukrainischen Behörden nahmen die Ermittlungen bereits auf.

Nach seiner aktiven Sportkarriere als Schwergewichtsboxer zog es den älteren Bruder des erst vor Kurzem entthronten Weltmeisters Wladimir Klitschko, in die ukrainische Politik. Von sich reden machte er im Jahr 2014, als er in Deutschland massiv für den Euromaidan in Kiew warb. Im selben Jahr noch wurde er zum Bürgermeister der ukrainischen Hauptstadt gekürt. Erinnert man sich heute an seine damaligen Wahlversprechen, kann man nur noch mit dem Kopf schütteln.

Kiew, ach was, die ganze Ukraine wollte er vom Sumpf der Korruption erlösen und aus seiner Heimat ein europäisches Musterland formen. Vollmundig verkündete Klitschko damals in seiner Kolumne in der Bildzeitung: Wir wollen wissen, wohin das Geld fließt und warum soviel versickert!“ Im Korruptions-Ranking stand und steht die Ukraine noch heute irgendwo zwischen Somalia und Simbabwe, wie aus einem Bericht des United News Network (UNN) hervorgeht.

Schon im darauffolgenden Jahr 2015 schien es ihm mit seiner Wahlpropaganda nicht mehr allzu wichtig gewesen zu sein. Klitschko wurde an den Pranger gestellt, wegen – Korruption. „Held mit Kratzern“ befand daraufhin Spiegel online, nachdem bekannt wurde, dass der Ex-Boxer in einen Bauskandal verwickelt war. Vier Wolkenkratzer wurden auf die Schnelle auf sandigem Grund, der nie als Baugebiet ausgeschrieben war, am Ufer des Dniper hochgezogen, rund 7,6 Hektar Naherholungsgebiet unwiederbringlich zerstört. Einer der Grundstückseigner: Vitali Klitschko. Schon die Inbesitznahme des Grundes wurde als „Landraub“ gescholten.

Zwei Jahre später geht es nun um Klitschkos Auslandsvermögen. Im Fokus stehen diesmal die Hansestadt Hamburg und eine Villengegend in Los Angeles. Wie es laut einem TV-Bericht des staatlichen Perwej Kanal heißt, habe die ukrainische Antikorruptions-Behörde die Ermittlungen bereits aufgenommen. Deren Recherchen zufolge habe die Familie des Bürgermeisters privat genutzt, Klitschko selbst jedoch keinerlei Angaben darüber der Steuerbehörde gemeldet. Angegeben habe er lediglich eine Wohnung in Kiew, vermeldeten nichtstaatliche Organisationen und Medien.

Klitschko selbst dementiert diese Aussagen bisher, die, laut der Nachrichtenagentur dpa, dem zuständigen Finanzamt zugespielt wurden. Ihm zufolge befänden sich die Villen im Besitz seines Bruders. Wie erst jetzt bekannt gegeben wurde, hätten NGOs vor Ort bereits im letzten Jahr auf die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens gedrängt, was jedoch von den zuständigen Behörden jedes Mal abgelehnt wurde. Für den Fall, dass Vitali Klitschko dieses Mal schuldig gesprochen würde, hätte er eine Haftstrafe von bis zu zwei Jahren. Von einer saftigen Geldbuße ganz zu schweigen.

Einen Gefallen hat der Bürgermeister damit sicherlich weder sich, noch der Ukraine getan. Das Vertrauen schwindet zusehends. Vielmehr bleibt der fade Beigeschmack, dass Wahlversprechen in einem ohnehin im Korruptionssumpf versinkenden Landes von vornherein das Papier nicht wert sind, auf dem sie geschrieben stehen. Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht…

[mb/russland.NEWS]

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.