Kaviar und Pistolen

Kaviar und Pistolen

Der slowenische Waffenhersteller Arex will künftig auch in der Kaviarproduktion mitmischen. Gemeinsam mit drei russischen Partnern soll eine Fischzuchtanlage mit der dazugehörigen Produktion für die kulinarische Luxusware aufgebaut werden. Ein lukrativer Markt, der jedoch langen Vorlauf benötigt.

Die Pistolen, die im slowenischen Šentjernej, im Bergland nahe der kroatischen Grenze von der Waffenschmiede Arex für den professionellen Gebrauch produziert werden, verkaufen sich nach firmeneigenen Angaben recht ordentlich. Der Verkaufsschlager schlechthin sei derzeit das Modell Arex Rex Zero 1, heißt es. Eine Selbstladepistole mit Neun-Millimeter-Kaliber, deren Besonderheit die Ganzmetallbauweise ist, anstatt der sonst üblichen Polimerverschalung. Ebenso im Angebot sind nebst der dazu gehörigen Munition, Rucksäcke sowie Atemschutzmasken für den Einsatz in Kriegsgebieten.

Nun plane man in Šentjernej das Geschäft um Kaviar zu erweitern, wie die kroatische Tageszeitung Poslovni Dnevnik vermeldete. Iwan Kralj, der Inhaber der Waffenfabrik Arex will dem Blatt zufolge mit drei russischen Partnern zunächst eine Fischzucht in der Region Dolenjska gründen, um später Kaviar aus einer eigenen Produktionsanlage in den Handel zu bringen. Mit Berufung auf den ehemaligen Militärattaché an der slowenischen Botschaft in Moskau, Tomaž Strgar, berichtet Poslovni Dnevnik von vorerst angepeilten fünfzig Tonnen des „Schwarzen“ Goldes“, die jährlich gewonnen werden sollen.

Strgar ist der Geschäftsführer des Unternehmens CAVIAR Biosistem, an dem auch Waffenhersteller Ivan Kralj sowie zwei weitere russische Geschäftspartner je ein Viertel Anteile halten. Unter der Federführung dieses Unternehmens soll das Projekt mit dem Kaviar verwirklicht werden. Im Auge habe man die Märkte der EU und der Vereinigten Staaten, wie Strgar einem lokalen Portal für die Region Dolenjska erklärte. Die Investition liege zwischen 50 und 60 Millionen Euro und soll 60 bis 80 Arbeitsplätze für Šentjernej schaffen. Abgewickelt werden die Geschäfte des Kaviarproduzenten über die russische Sberbank.

Die Nachfrage auf dem Markt für solche Produkte ist deutlich größer als das Angebot“, so Kralj gegenüber Lokalno.si. Alleine auf dem europäischen Markt würden jährlich rund 250 Tonnen Kaviar verkauft, die Nachfrage sei jedoch mindestens doppelt so hoch. Die Kundschaft habe man deshalb bereits für die nächsten zehn Jahre unter Vertrag, heißt es bei CAVIAR Biosistem. Stolz erwähnt man, dass das Unternehmen nicht einmal eine Marketing-Abteilung besäße. Angedacht sei die Zucht des Beluga-Störs, dessen Kaviar mit zu den hochwertigsten und zudem ergiebigsten Sorten der begehrten Fischeier zählt.

Allerdings, und das müsse man berücksichtigen, sagt Iwan Kralj, könne erst frühestens in etwa zehn Jahren mit einer „Ernte“ gerechnet werden. Erst nach dieser Zeitspanne erreicht der Europäische Hausen, wie der Beluga-Stör (Huso huso) auch weit weniger exotisch genannt wird, seine völlige Geschlechtsreife. In der Zwischenzeit berücksichtigt Kralji jedoch bereits neue Geschäftsmodelle, die sich rund um das Kaviar-Projekt erschließen würden. Eines davon sei das automatisch anfallende Nebenprodukt Abwärme, die sich energieeffizient nutzen ließe.

[mb/russland.NEWS]

 

 


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