IWF-Chefin im Interview über Russland

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Anlässlich der vom 21. bis 23. April in Washington stattfindenden Frühjahrssitzung hat IWF-Chefin Christine Lagarde der russischen Nachrichtenagentur »TASS« ein Interview gegeben.

Lagarde geht davon aus, dass die extrem schwierigen Zeiten vorbei sind und Russland wieder in der Wachstumszone angekommen ist – und das schon nach wenigen schwierigen Jahren.

Der IWF schätze die Schritte, die die Behörden Russlands in den „felsigen finanziellen und wirtschaftlichen Bedingungen der letzten Jahre einnahmen“ hoch ein, so die IWF-Chefin.

„Als der Ölpreis von – ich denke – über 100 USD pro Barrel auf 27/28 USD pro Barrel abstürzte, waren die Reaktionen der russischen Wirtschaft sehr umfangreich. Sie unternahmen die richtigen fiskalischen Maßnahmen. Sie brachten die Inflation unter Kontrolle. Sie begannen eine sehr kluge Geldpolitik, die den freien Wechselkurs [des Rubels] einschloss, was sicherstellte, dass der Finanzsektor stabil blieb. Und das half dem Land, in sehr schwierigen Krisen zu lavieren: Der Ölpreis sackte auf ein Viertel ab und die Wirtschaft war den infolge der Invasion der Krim verordneten Sanktionen ausgesetzt. Aber es ging langsam aus dieser Negativzone der Jahre 2015/16 heraus und im Jahr 2017 werden wir wieder in einer positiven Zone angelangt sein.“

Lagarde sprach von einem Wachstum von über einem Prozent – aus Insiderkreisen war doch die genauere Zahl von 1,4 % für 2017 und 1,4 % für 2018 zu hören.

Lagarde pries dann ihre Beziehung zur russischen Kultur: „Als Franzose und Liebhaber von Musik und Literatur habe ich großen Respekt vor der russischen Kultur. Kultur, Geschichte und Kunst des Landes.“ Sie wies auf die Ähnlichkeiten in der russischen und französischen Kultur und auf den großen Einfluss des französischen Philosophen und Dichters Voltaire auf beide Kulturen hin.

Sie nannte Leo Tolstoi und Fjodor Dostojewski ihre Lieblingsschriftsteller und Rachmaninow ihren Lieblingskomponisten.

„Ich sage Ihnen das nicht, um Ihnen zu schmeicheln oder Ihnen Komplimente zu machen, ich denke dies alles ist ein großer Teil dessen, was heute Ihr Land und den Atem und die Kraft Ihrer Menschen ausmacht. Dieses wird angespornt und gefüttert von den tiefen Wurzeln Ihrer Kultur und ebenso ist die Geografie gleichermaßen wichtig, um Ihr Land zu verstehen, seine Ausdehnung und seine Ressourcen. Das alles erklärt diese sehr große und komplexe Nation, die Russland. ist.

Sie erwähnte in diesem Interview auch, dass sie Präsident Putin bei vielen Zusammenkünften auf der Welt trifft.
„Wir hatten mehrere sehr tiefe und gute Gespräche mit dem Ziel, das Land und seine Wirtschaftspolitik besser zu verstehen“, sagte Lagarde.

[Hanns-Martin Wietek/russland.news]

Über den Autor

Hanns-Martin Wietek
Arbeitet als freier Publizist für russische Literatur und Geschichte für verschiedene Medien. Literaturkritiker für buechervielfrass.de und russland.RU. Seit 2003 bei russland.RU zuständig für Kunst und Kultur und stellt russische Künstler vor.