Gorbatschow verteidigt Putins Haltung bei Geiseldrama

image_pdfimage_print

Der ehemalige sowjetische Präsident Michail Gorbatschow hat den Kurs von Russlands Präsident Wladimir Putin in der Geiselkrise von Beslan verteidigt. „Es wäre verfehlt, jetzt Präsident Putin zu kritisieren“, sagte Gorbatschow der „Bild“-Zeitung (Donnerstagausgabe). Die ganze Welt müsse zusammenstehen, um den Terror zu bekämpfen. „Mit Killern und Verbrechern darf sich die russische Führung nicht an einen Tisch setzen.

Auch in Washington oder Brüssel dürfte niemand bereit sein, mit Terroristen vom Schlage eines Bin Ladens zu verhandeln“, sagte Gorbatschow.

Der russische Menschenrechtler Sergej Kowaljow hingegen übte deutliche Kritik an der Tschetschenien-Politik des Präsidenten. Putin sei nicht gewillt, eine friedliche Lösung des Konfliktes zu suchen, sagte Kowaljow der „Berliner Zeitung“ (Donnerstagausgabe). „Putin hat stets erklärt, dass es mit Banditen keine Verhandlungen geben kann, und er hat Präsident Maschadow und andere Vertreter der legitimen tschetschenischen Verwaltung Banditen genannt.“

Er rechne nach dem Geiseldrama von Beslan mit einem verstärkten Wiederaufflammen des Krieges in Tschetschenien, sagte Kowaljow.

Der ehemalige sowjetische Staatschef Gorbatschow warnte in der „Bild“-Zeitung vor einer Abspaltung der Kaukasusrepublik Tschetschenien von Russland. „Das wäre verheerend“, sagte Gorbatschow. Schließlich gehe es den Rebellen nicht nur um Tschetschenien, sondern um den gesamten Kaukasus. „Dort soll ein islamischer Staat gegründet werden. Fundamentalisten in vielen islamischen Ländern unterstützen dieses Ziel.“

Wenn es Kontakte tschetschenischer Rebellen mit islamischen Terrororganisation aus dem Ausland gebe, so sei dies eine Folge des Krieges, sagte hingegen Kowaljow. „In Tschetschenien gab es keinen moslemischen Fundamentalismus, allenfalls in Dagestan ein bisschen. Der tschetschenische Islam war sehr tolerant, freundlich, zum Teil fröhlich.“ Kowaljow, der als Dissident in sowjetischer Lagerhaft war, war Vorsitzender der von Putins Vorgänger Boris Jelzin eingesetzten Menschenrechtskommission und Parlamentarier. Er ist einer der bekanntesten Kritiker des russischen Vorgehens in Tschetschenien.