Expertendiskussion in der Russischen Botschaft über Welttrends 2017

Prof. Alexander Rahr (c) russland.news

[Prof. Alexander Rahr] Beim letzten Kamingespräch des Deutsch-Russischen Forums mit der russischen Botschaft in diesem Jahr, ging es um die Perspektiven der Präsidentschaft Donald Trumps. Wie werden sich die Beziehungen der USA zur EU und Russland gestalten.

Ehemalige Spitzenpolitiker aus dem Bundestag, Verteidigungsministerium, der EU-Kommission, Vertreter der Wirtschaft, des Auswärtigen Amtes und Think Tanks wie der SWP, sowie Vertreter der Deutschen Bank, Spiegel, Handelsblatt, Focus, ARD und anderer Institutionen, diskutierten höchst kontrovers darüber, wie die künftige Rolle der EU in der Weltpolitik aussehen soll.

Da Trump auf amerikanischen Isolationismus, auch in außenpolitischen Fragen setzt, muss sich die EU in Kürze als eigenständiger Akteur – neben den USA, Russland und China – auf der Weltbühne beweisen. Für diese neue Aufgabe fehlen der EU allerdings der innere Zusammenhalt, die notwendigen Führungspersönlichkeiten und der politische Wille.

Moskau, so die russische Seite beim Kamingespräch, möchte sich mit den USA über den Krisenherd Syrien einigen und die Idee einer gemeinsamen Antiterrorkoalition wieder auf die Tagesordnung setzen.

Ein deutscher Unternehmer sah die Chance für die Gründung eines gemeinsamen Wirtschaftsraumes zwischen der EU und der Eurasischen Wirtschaftsunion gekommen, nachdem Trump sowohl die transpazifische, als auch die transatlantische Freihandelszone aufgekündigt hat.

Den Teilnehmern des Kamingesprächs fiel es schwer, sich die Konturen der künftigen multipolaren Welt vorzustellen. Alle wichtigen Akteure, ob die USA, EU oder Russland, hätten mit wirtschaftlichen und sozialen Problemen, sogar inneren Auflösungserscheinungen zu kämpfen. Weder könne die USA die Führung der Welt weiter übernehmen, noch könne Deutschland in seiner gegenwärtigen Verfassung alleinige Führungsmacht in Europa sein.

Europa, so das Fazit, könne nur stabil bleiben, wenn es zu einer Aussöhnung zwischen der EU und Russland kommt. Vielleicht kann die neue Zusammensetzung der G-7, wo Angela Merkel 2017 von völlig neuen Gesichtern umringt werden wird, Lösungsansätze für eine stabile Welt entwickeln. Vorstellbar wäre, dass Trump Vladimir Putin wieder in den Kreis der G-8 zurückholt.

Über den Autor

Prof. Alexander Rahr
Prof. Hon. Alexander Rahr (*1959) ist ein bekannter internationaler Politikwissenschaftler und Politikberater. In den 1980er begann er seine Karriere als Sowjetologe beim US-Sender Radio Freies Europa. Von 1994 bis 2012 leitete er das Russland/Eurasien Zentrum in der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik und beriet Bundesregierung und Bundestag. 2012 wechselte Rahr als Unternehmensberater in die Energiewirtschaft, wo er u.a. Gazprom Brüssel berät. Er arbeitet aber weiter als unabhängiger Politologe an Projekten im Deutsch-Russischen Forum. Rahr ist Honorarprofessor an der Moskauer Diplomatenhochschule und Hochschule für Ökonomie. Er ist Träger des Bundesverdienstkreuzes. Seit 2002 sitzt er im Petersburger Dialog. Von 2004-16 sass er im Vorstand des ukrainischen Think Tanks YES. Er hat zehn Bücher über Russland veröffentlicht (in mehreren Sprachen).