Erdogans Sieg: Entfremdung vom Westen, Putins Chance

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Auch in Russland lag die Entscheidung, wem man in der türkischen Putschnacht die Daumen drücken sollte, nicht sofort auf der Hand. Schließlich hatten gerade die beiden Staatschefs Putin und Erdogan nach dem Abschuss eines russischen Kampfjets über Syrien Ende November 2015 monatelang in bitterem Streit gelegen.

Erst vor kurzem hatte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan die Angelegenheit mit einer schriftlichen Entschuldigung, persönlich an seinen Kollegen Wladimir Putin gerichtet, aus der Welt geschafft.

Konservativer als jede andere Nation

Dass Moskau sich doch rasch besann und auf den Fortbestand der legitimen Verhältnisse setzte, verdankt sich zwei Traditionen der russischen Außenpolitik: Pragmatismus und Legitimismus. Das Land der Großen Kommunistischen Oktoberrevolution 1917 ist in Wirklichkeit, was die Unterstützung der powers that be betrifft, konservativer als jede andere europäische Nation. Die Regel gilt: Russland setzt immer auf Legitimität. Der Pragmatismus wiederum sagt den Moskauer Politikern, dass ein erfolgreicher Putsch entweder einen weiteren nahöstlichen Schwelbrand oder ein vom Westen unterstütztes, säkulares Militärregime geschaffen hätte.

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