CIA-Direktor John Ratcliffe hat am Dienstag überraschend Moskau besucht. Über Zweck und Gesprächspartner schweigen beide Seiten. Die ungewöhnliche Reise zeigt jedoch, dass Washington und Moskau trotz festgefahrener Ukraine-Verhandlungen weiterhin direkte Kontakte auf höchster Ebene unterhalten.
Nach übereinstimmenden Berichten von CBS News und Axios flog Ratcliffe mit einer Boeing C-17 der US-Luftwaffe von Riga zum Moskauer Flughafen Wnukowo. Dort wurde außerdem eine Kolonne von Fahrzeugen mit amerikanischen Diplomatenkennzeichen beobachtet. Wenige Stunden später verließ die Maschine Moskau wieder.
Offiziell bestätigt wurde die Reise weder von der CIA noch von der russischen Regierung. Kremlsprecher Dmitri Peskow erklärte zunächst, er verfüge über keine Informationen zu dem amerikanischen Militärflugzeug. Auch über Treffen mit Vertretern der US-Regierung sei ihm nichts bekannt.
CBS beruft sich auf mehrere mit der Reise vertraute Quellen. Axios nennt zwei US-Regierungsvertreter. Demnach führte Ratcliffe Gespräche mit russischen Amtsträgern. Wer daran teilnahm und welche Themen behandelt wurden, blieb offen.
Es war der erste bekannte Besuch eines CIA-Direktors in Moskau seit November 2021. Damals war William Burns nach Russland gereist, um die Führung in Moskau vor einem Angriff auf die Ukraine und dessen Folgen zu warnen. Ratcliffe steht seit längerem in Kontakt mit dem Chef des russischen Auslandsgeheimdienstes SWR, Sergej Naryschkin.
Für einen Zusammenhang mit dem Ukrainekrieg spricht, dass Washington die ukrainische Regierung vorab über die Reise einer hochrangigen Delegation informierte. Nach Angaben von Axios bat die US-Regierung Kiew zugleich, während des Besuchs auf Angriffe gegen russisches Gebiet zu verzichten. Der Kyiv Independent berichtet unter Berufung auf eigene Quellen, die Bitte habe sich ausdrücklich auf Moskau und St. Petersburg bezogen.
Welche Botschaft Ratcliffe überbrachte, ist dennoch unbekannt. Das Wall Street Journal hält es für möglich, dass der CIA-Direktor die russische Führung vor einer weiteren Eskalation gewarnt hat. Amerikanische Geheimdienste sollen Hinweise auf russische Mobilisierungsvorbereitungen und mögliche Aktionen zur Erprobung der Entschlossenheit der NATO gesammelt haben. Ob diese Einschätzungen tatsächlich Gegenstand der Gespräche waren, ist nicht bestätigt.
Ebenso denkbar ist ein Zusammenhang mit dem Krieg gegen Iran. Russland unterhält enge militärische und politische Beziehungen zu Teheran. Washington wirft Moskau außerdem vor, Iran mit Satellitendaten unterstützt zu haben. Ratcliffe gehört in der Trump-Regierung zu den zentralen Akteuren der Iranpolitik. Auch dafür gibt es bislang allerdings keinen direkten Beleg.
Russische Medien spekulieren zudem über eine Freilassung des in Russland inhaftierten US-Bürgers Charles Zimmerman. Als Indiz gelten mehrere nicht veröffentlichte Erlasse, die Präsident Wladimir Putin am 24. und 25. August unterzeichnete. Die Vermutung geht jedoch lediglich auf einen unbelegten Telegram-Beitrag von Xenia Sobtschak zurück.
Bemerkenswert ist der Besuch deshalb weniger wegen eines schon erkennbaren Ergebnisses als wegen des gewählten Kanals. Nachdem die politischen Verhandlungen über die Ukraine weitgehend festgefahren sind, sprechen offenbar wieder die Nachrichtendienste miteinander. Solche Kontakte können der Übermittlung von Warnungen, der Vorbereitung von Gefangenenaustauschen oder der vertraulichen Sondierung größerer Vereinbarungen dienen.
Und Ratcliffe könnte nicht der letzte hochrangige amerikanische Sicherheitsbeamte sein, der in diesem Jahr nach Russland reist. Bereits im Juli berichtete Politico, FBI-Direktor Kash Patel plane für Mitte Oktober Besuche in Moskau und St. Petersburg. Eine Verbindung zwischen beiden Reisen ist bisher nicht belegt. Das Bild ist dennoch bemerkenswert: Während die offizielle Diplomatie schwächelt, rücken die amerikanischen Geheimdienst- und Sicherheitschefs an.

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