Eishockey-WM: Am Ende bleibt die „Goldene Ananas“

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So schön hat man es sich ausgemalt in Russland. Die Eishockey-Weltmeisterschaft im eigenen Land, verpackt in ein prächtiges Rahmenprogramm und am Ende natürlich gekrönt mit dem Titel der weltbesten Eishockeymannschaft. Ein russischer Traum auf Kufen.

Fast hätte alles geklappt wie es im Drehbuch stand. Die „Sbornaja“ auf dem Durchmarsch in der Vorrunde, das Viertelfinale nur eine kleine weitere Station auf dem Weg zum Triumph. Doch dann kamen im Halbfinale die Finnen und setzten dem russischen Märchen ein jähes Ende. Aus, vorbei, der Traum mit einem Mal zerplatzt wie eine Seifenblase. Und dabei hätte alles doch so schön sein können.

Schaibu!“ – auf zum munteren Scheibenschießen

Was blieb war das undankbare Spiel um den dritten Platz. Eine Partie, die man auch in so manch anderen Sportarten einfach gerne ausfallen möchte, da das Turnier eh schon gelaufen ist. Entweder ganz oder gar nicht. Diese zweifelhafte Ehre den „Kleinen Sieger“ zu mimen wurde nun Russland zuteil. Der Gegner hieß USA, die sich im Halbfinale dem Nachbarn Kanada geschlagen geben mussten.

Zumindest konnte die „Rote Maschine“ noch ein letztes Mal seine eigentliche Klasse in diesem Turnier aufblitzen lassen. Und sie nutzte ihre Chance. Mit 7:2 wurde der transatlantische Gegner vom Eis gefegt, dass es noch einmal eine wahre Freude war. Sie durften noch einmal ran, die Kufencracks, die die Vorrunde so souverän und mitreißend gemeistert hatten.

Den Auftakt besorgte Wjatscheslaw Wojnow in der siebten Spielminute. In der 14. Minute setzte Sergej Mosjakin den Reigen mit dem 2:0 fort. Er zeigte sich auch Verantwortlich für das spätere 6:2 sechs Minuten vor Ende der Partie (54.). Ivan Telegin, der bereits die Vorrunde aufgemischt hatte, versenkte den Puck genau zur Hälfte der Spielzeit in der 30. Minute im Tor der Amerikaner zum 3:0. Das 4:0 erledigte Evgeniy Dadonov nur drei Minuten später. Der Anschlusstreffer zum 4:1 fiel in der 35. Spielminute durch den einzigen amerikanischen Torschützen dieser Partie, Frank Vatrano.

Schon fast trotzig nagelte Artemi Panarin, quasi im Gegenzug (36.) die Hartgummischeibe zum 5:1 in die Maschen. Vatrano betrieb in der 44. Minute noch etwas Ergebniskosmetik mit seinem Treffer zum 5:2. Den endgültigen Schlusspunkt für die Russen bei diesem Wettbewerb setzte Vadim Shipachyov mit dem Ertönen der Schlusssirene. Shipachyov entpuppte sich mit sechs erzielten Treffern als verlässlicher Scorer bei den Russen schlechthin.

Die Eishockey-WM 2016 ist nun Geschichte und das russische Eishockey um ein paar Episoden reicher. Turniersieger wurde letztlich Kanada, Finnland Zweiter und für die „Sbornaja“ langte es durch ein schönes letztes Spiel nur noch zur Bronzemedaille. Die undankbare „Goldene Ananas“ eben…

[mb/russland.RU]

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.