Brauchst was? – Hast was? – Drogen auf dem Maidan?

[Sonntagsgedanken von Michael Barth] Kiew – Oder sollten wir jetzt besser Ki(e)fft sagen? Ach, man weiß es nicht genau. Obwohl, der russische Oberdrogenfahnder, sozusagen der Leitwolf der russischen Spürhundstaffel, äußerte einen despektierlichen Verdacht, dass auf dem Euro-Maidan in Kiew Drogen im Spiel waren. Irgendwie halten sich die ukrainischen Kollegen bei dem Thema auch nicht gerade hinter dem Berg.

So verwirrend, wie es auch ist, Grund genug für russland.RU in die dortige Drogenhölle einzutauchen, um seriöse Berichterstattung vom Geschehen zu leisten und um zu sehen, was das Zeug, das da scheinbar im Umlauf ist, hermacht. Neugierig waren wir schon immer, das ist vielleicht auch Berufsbedingt. „Diese Menschen waren in einem abnormalen psychoaktiven Zustand“, soweit die Meldung. Das wollten wir dann schon genauer unter die Lupe nehmen.

Viktor Iwanow, das ist der Chef der russischen Drogenbehörde, kann es nicht genau bestätigen. Aber er ist sich seiner Sache sicher, dass sich pro-westliche Demonstranten in Kiew etwas eingepfiffen hatten. Kurioserweise dementiert die ukrainische Seite nicht mal großartig. Irgendwas muss wohl dran sein, an den Gerüchten. Zugegeben, Iwanow weiß auch nicht recht viel mehr. Er geht halt mal davon aus, „dass es unter den Maidan-Teilnehmern sehr viele Drogenkonsumenten gegeben hat“.

Exkurs in den Drogensumpf und volle Fahrt auf dem Maidan

Zugegeben, sehr dünn soweit. Ein Grund mehr für russland.RU zu analysieren. Soweit wir aus des Volkes Munde wissen, Hasch macht lasch. Ist also schon mal aus der Wertung. Opiate? Ach stellen Sie sich doch bitte einmal einen Boxer vor, der sich in der Ecke auf seinen Schemel setzt und denkt „ja ne, mach du mal alleine“. Alkohol haben sie sowieso und wie wir vermutlich alle wissen, eine kurze Zeit bist du unschlagbar, dann verlierst du die Orientierung. Auch nichts…

Lysergsäurediethylamid, na was für ein komplexes Wort Herr Hoffmann, im Volksmund auch bekannt als LSD, schließen wir kategorisch aus. Bringt doch nix, wenn der Maidan zur Blumenwiese wird. Genauso wenig wie adäquate volkskundliche Psychoaktiva aus dem Pflanzenreich. Wer schießt denn da noch aufeinander? Also bleiben uns nur mehr die „Schnellmacher“. Und da sind wir an der Sache vermutlich schon nah dran. Sind Sie schon mal so richtig überdreht dagesessen?

Die haben ja auch viele Facetten. Sie halten wach und wenn man es zulässt, halten sie auch eine latente Aggressivität am wallen. Das würde durchaus Sinn ergeben. Wo aber kamen diese Drogen nun wieder her? „Ich habe keine Angaben darüber, dass die Drogen von den USA geschickt worden waren“, soweit Iwanow. Wer jedoch aufmerksam hinsah im vergangenen Dezember, musste bemerken, dass die stellvertretende Außenministerin der USA, Victoria Nuland, Kekse auf dem Maidan verteilte.

Versinnbildlicht wirkt das in etwa wie das Klischee des fremden Onkels, der auf dem Pausenhof mir Drogen präparierte Bonbons verschenkt. Was in diesen Keksen wohl drin gewesen sein mag? Reines Kokain schließen wir aus, das kostet auch ein bisschen. Billiger und effektiver sind da dann doch die Schmankerln aus der Hobbyküche. Verwirrende Buchstabenkürzel, etwa MDMA oder MDA, hinter denen sich nichts anderes als „Speed“ verbirgt. Gemeine, aggressive Amphetamine.

Neu ist diese Methodik nicht. Schon im 2. Weltkrieg gab man seinen Soldaten derlei „Helferlein“ um ihre Kampfmoral bei Laune zu halten. Während die deutsche Wehrmacht auf Pervetin vertraute, verabreichten die Amerikaner und Briten Benzedrin. Als der erste Irakkrieg tobte, stand ein Artikel im renommierten amerikanischen „Rolling Stone“-Magazin, in dem ein Kampfflieger der US-Streitkräfte unumwunden zugab, dass Amphetamine bewusst eingesetzt wurden um die Aggressivität zu steigern. „Zeug einfahren, Heavy Metal laut im Ohr und ab geht die Post.“

Stopp – bevor wir jetzt noch auf dumme Gedanken kommen und uns einem heroischen Selbstversuch unterziehen, wir lassen das so stehen. Aufklären müssen das Thema Gott sei dank ja auch ganz andere. In diesem Sinne wünschen wir unseren Lesern noch einen bunten Sonntag…

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.