Jubiläumserfolg: 100 Jahre BMW in Russland

Foto deluxtrade CC0 Public Domain via Pixabay
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Seit genau einhundert Jahren fährt man in Russland die Münchner Automobilmarke BMW. Grund genug, aus diesem Anlass eine geniale Werbekampagne ins Leben zu rufen, die auch die Fahrer anderer Marken zum Kauf bewegen soll.

Die Macher der Moskauer Werbeagentur FCB wollten es genau wissen. Sie sahen bei den Vorlieben russischer Autofahrer genauer hin und spähten ihre Zielgruppe anhand derer Gewohnheiten aus. Bei der Agentur kam man zu dem Schluss, dass die mobilen Russen am liebsten sparen, selbst wenn sie das teuerste Auto fahren. Sparen an den Parkgebühren, sparen beim Entrichten von Zusatzgebühren im Straßenverkehr. Dabei war es offenbar egal, ob es sich um alte, beziehungsweise preiswerte Fahrzeuge handelt oder um die Edelkarosse für Betuchte. Hauptsache sparen.

Die Idee war so simpel wie effektiv. Jeder BMW-Fahrer wurde an der Bezahlstelle des kostenpflichtigen Teilabschnitts der Autobahn M-11 von Moskau nach Solnechnogorsk zur Eröffnung durchgewunken ohne zu bezahlen und auch wieder zuvorkommend verabschiedet. Darüber hinaus stand den BMWs eine gesonderte Fahrspur zur Verfügung. Laut der Agentur FCB erntete diese „M11 Free Drive“-Jubiläumsaktion ein kolossales Medienecho. In den russischen sozialen Netzwerken schien es nur noch dieses Thema zu geben.

Was aber, wenn alle anderen Fahrzeuglenker ebenfalls umsonst fahren möchten? Kein Problem für FCB, man entwirft einfach den nächsten Werbeknaller. Die Freie-Fahrt-Aktion wurde kurzerhand auf all die erweitert, die ihren Nicht-BMW als solchen „verkleideten“. Die Agentur verteilte Flyer mit BMW-Aufklebern und bot darüber hinaus im Internet Embleme der bayrischen Luxusmarke zum selbst ausdrucken an. Und da wiederum zeigten sich die Russen einmal mehr als wahre Meister der Improvisation.

Alles was Räder hatte und motorisiert war, diente als Grundlage für einen „Fake-BMW“. Der Zuspruch war gewaltig und überrasche selbst die Werbeschmiede. Rund 300.000 Freifahrer wurden anhand der Auswertungen der Überwachungskameras gezählt. Das hat sogar selbst die Initiatoren der Aktion überwältigt. Am meisten wohl der Audi, der eine gänzlich neue Marke präsentierte und die markanten Ringe aus Ingolstadt kurzerhand mit BMW-Aufklebern versah. Über eine Viertelmillion glücklicher Autofahrer – Hut ab!

[mb/russland.RU]

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.