25 Jahre nach Tschernobyl – Menschen – Orte – Solidarität

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Wanderausstellung wird Ostersonntag in Köln eröffnet

Köln erinnert sich an den 26. April 1986 – Zwei Zeitzeuginnen zu Gast

Die multimediale Wanderausstellung „25 Jahre nach Tschernobyl – Menschen – Orte – Solidarität“ ist von Ostersonntag, 24. April 2011, bis Freitag, 28. April 2011, im Studio Dumont, Breite Straße 72, in Köln zu sehen. Offiziell eröffnet wird die Ausstellung am Ostersonntag, 24. April 2011, um 17 Uhr im Studio Dumont.

Zwei Zeitzeuginnen berichten von den Ereignissen 1986 und den Folgen

Mit Valentina Anikejewa und Jewgenija Filomenka stehen zwei Zeitzeuginnen aus der Ukraine und Belarus für Gespräche und Diskussionen zur Verfügung. Die beiden Frauen waren 1986 unmittelbar von der Reaktorkatastrophe betroffen und sind es bis heute. Die Ukrainerin Valentina Anikejewa, heute Journalistin, lebte 1986 in Pripjat, zwei Kilometer entfernt vom Unglücksreaktor, und wurde zwangsweise evakuiert. Jewgenija Filomenka lebte damals im Landkreis Gomel, der zu den am stärksten verstrahlten Gebieten in Weißrussland zählt. Sie ist heute Vorsitzende des Verbandes der Tschernobyl-Umsiedler.

Kölner Autorin Dr. Isolde Baumgärtner leitet Podiumsgespräch

Dr. Isolde Baumgärtner, Vorsitzende des gastgebenden Vereins für europäische Erinnerungskultur Mnemosina e.V., ist eine dezidierte Kennerin des Themenkomplexes Tschernobyl. Sie ist Mitautorin des Buches „Tschernobyl und die europäische Solidaritätsbewegung“, das das Internationale Bildungs- und Begegnungswerk in Dortmund vor wenigen Tagen aus Anlass des 25. Jahrestages der Reaktorkatastrophe herausgegeben hat. Ergänzend zur Ausstellung sind drei öffentliche Zeitzeugengespräche und eine Podiumsdiskussion am Mittwoch, 27. April 2011 um 19 Uhr im Lew-Kopelew-Forum, Neumarkt geplant. Dr. Isolde Baumgärtner moderiert den Abend „Wider das Verdrängen“.

Gelegenheit zur persönlichen Begegnung für Jugendgruppen und Multiplikatoren (Lehrer)

Die beiden Zeitzeugen stehen während der gesamten Ausstellungsdauer bis zum 28. April 2011 Jugendgruppen und anderen Personengruppen für Fragen und Diskussionen zur Verfügung (Voranmeldung erforderlich). Die Ausstellung ist am Ostersonntag von 17 bis 19.30 Uhr geöffnet und danach von Montag bis Freitag von 10 bis 19 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Schicksale von Menschen stehen im Mittelpunkt

Im Fokus der Ausstellung stehen die Erinnerungen von 30 Zeitzeugen aus der Ukraine und Belarus, die unmittelbar an den Aufräumarbeiten und an der Eindämmung der Katastrophe beteiligt waren. Persönlich werden sie vor Schulklassen und anderen Personengruppen über ihre Erinnerungen berichten. „Wir haben uns ganz bewusst entschieden, die Schicksale von Menschen in den Mittelpunkt zu stellen“, sagte Peter Junge-Wentrup bei der Eröffnung. „Und wir möchten, dass sie selbst zu Wort kommen.“ Nach Recherchen des IBB waren mehr als 800 000 so genannte Liquidatoren im Einsatz.

Erinnern für eine gemeinsame Zukunft – Anstoß zu einer politischen Debatte

Zum 25. Jahrestag der Katastrophe am 26. April 2011 hat die Ausstellung auch eine intensivere Auseinandersetzung mit der Energiepolitik angeregt. Gemeinsames Ziel mit allen gastgebenden Trägerkreisen war die Debatte im Deutschen Bundestag auf Initiative des IBB Dortmund am Freitag, 8. April 2011. „Der Deutsche Bundestag ist das einzige Parlament in Europa, das eine Debatte zum 25. Jahrestag von Tschernobyl geführt hat. Die Erinnerung an die Katastrophe leistet einen wichtigen Beitrag, dass der Atomausstieg in Deutschland möglich wird“, so Peter Junge-Wentrup, Geschäftsführer des IBB Dortmund, der den Impuls zur Wanderausstellung gegeben hat. „In Kenntnis der Folgen machen wir uns gemeinsam stark für die Energiewende.“

Rüdiger Frohn, Staatssekretär a. D. und Vorsitzender des Beirats der Stiftung Mercator, betonte in seiner Rede anläßlich der Ausstellungseröffnung in Dortmund: „Tschernobyl hat als erste gesamteuropäische Umweltkatastrophe bisher ungekannten Ausmaßes gezeigt, dass weder die Solidarität der Menschen in Europa noch die Herausforderung einer zukunftsorientierten Umweltpolitik nationale Grenzen kennt. In Erinnerung an die Opfer von Tschernobyl und für die kommenden Generationen ist es uns Verpflichtung und Herausforderung zugleich, Energie-, Umwelt- und Klimapolitik immer wieder neu zu denken.“

Ausstellung mit interaktiven Elementen

Ein multimedialer Teil der Ausstellung dokumentiert mit 58 Fotos von Rüdiger Lubricht, Filmausschnitten aus der Tagesschau und beispielhaften Portraits von europäischen Tschernobyl-Initiativen das Unglück. Noch heute leben fünf Millionen Menschen in Gebieten, die mit mehr als 1 Curie pro km² radioaktiv belastet sind. Rüdiger Lubricht hat seit 2003 regelmäßig die verlassene Stadt Pripjat besucht und in der Umgebung auch Bewohner angetroffen, die der unsichtbaren Gefahr zum Trotz nicht umgesiedelt sind. „Wir hätten die Ausstellung auch 25 Jahre Tschernobyl nennen können, denn es ist noch nicht vorbei“, sagt Ausstellungsmacherin Sabrina Bobowski mit Blick auf die Langfristigkeit der entstandenen Schäden. „25 Jahre nach Tschernobyl – Menschen – Orte –Solidarität“ ist als wachsende Ausstellung konzipiert, die persönliche Gedanken und Erinnerungen von Betrachtern aufnimmt und um weitere Dokumente ergänzt werden kann.

Breite Unterstützung von Kirchen und Förderern

Ermöglicht wurde die Ausstellung durch eine breite Unterstützung von kirchlichen und weltlichen, öffentlichen und privaten Förderern, wie der Evangelischen Kirche von Westfalen und Hessen-Nassau, der katholischen Stiftung Renovabis, der Landeszentrale für politische Bildung und der Stiftung Mercator.

Oberbürgermeister Jürgen Roters übernimmt die Schirmherrschaft

Jürgen Roters, Oberbürgermeister der Stadt Köln, hat die Schirmherrschaft für die Ausstellung in Köln übernommen. Als weitere Schirmherren konnte das IBB für alle Ausstellungen in Nordrhein-Westfalen Ministerpräsidentin Hannelore Kraft, für Münster den Präses der Evangelischen Landeskirche von Westfalen, Dr. h.c. Alfred Buß, für Osnabrück Dr. Fritz Brickwedde, Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, für Braunschweig und Wolfenbüttel Landesbischof Prof. Dr. Friedrich Weber gewinnen, für Brandenburg Ministerpräsident Matthias Platzeck und Landtagspräsident Günter Fritsch und für Magdeburg Landtagspräsident Dieter Steinecke gewinnen.

Die Ausstellung ist in 38 Städten in Deutschland, Österreich und den Niederlanden zu sehen.

Einzelheiten über die Veranstaltungen in Köln bei Dr. Isolde Baumgärtner unter der Rufnummer 0221-172136 (14.00-18.00 Uhr) oder per E-Mail Isolde.Baumgaertner@unitybox.de.

Weitere Informationen zum Gesamtprojekt unter www.ibb-d.de, zum Programm in Köln unter www.mnemosina.eu oder www.studio-dumont.de.

Über die Ausstellung:
Die Ausstellung „25 Jahre nach Tschernobyl – Menschen – Orte – Solidarität“ ist ein Projekt des IBB Dortmund und Kiew und der Internationalen Bildungs- und Begegnungsstätte „Johannes Rau“ Minsk. Das Projekt wird gefördert durch die Stiftung Mercator in Essen.

Das Buch zur Ausstellung:
„Verlorene Orte, gebrochene Biografien“ heißt der Bildband mit Fotos von Rüdiger Lubricht, den das IBB hat zum 25. Jahrestag der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl herausgegeben hat. Das Buch kann in der Ausstellung erworben bzw. über den Buchhandel bestellt werden.

Das Buch zur Geschichte der Solidaritätsbewegung:
„Tschernobyl und die europäische Solidaritätsbewegung“ heißt das zweite Buch, das das IBB zum 25. Jahrestag der Reaktorkatastrophe herausgegeben hat. Es dokumentiert die europaweite Solidaritätsbewegung, die nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl entstanden ist. Das Buch ist im Verlag Books on Demand Norderstedt erschienen und kann in der Ausstellung bzw. im Internet erworben werden.

Träger der Ausstellung in Köln:
Die Ausstellung wird jeweils von einem örtlichen Trägerkreis veranstaltet und mit einem Rahmenprogramm ergänzt. In Köln ist der Träger Mnemosina e.V. Verein für europäische Erinnerungskultur. Kooperationspartner: Studio Dumont, Köln; Lew-Kopelew-Forum, Köln Studentíscher Arbeitskreis „Tschernobyl“ des Slavischen Instituts der Universität zu Köln; gemeinnützige Tschernobylinitiative „Pro-Ost“ e.V., Solingen; sowie die gemeinnützige Tschernobylinitiative „Hilfe für Tschernobyl geschädigte Kinder“, Erftstadt.

Weitere Termine der Wanderausstellung im 1. Halbjahr 2011 auf einen Blick

Zwolle / Niederlande 17.04.-22.04.2011
Hannover 18.04.-28.04.2011
Köln 24.04.-28.04.2011
Wien 02.05.-07.05.2011
Kamen 02.05.-06.05.2011
Rheine 08.05.-13.05.2011
Freising 08.05.-12.05.2011
Bremen 16.05.-20.05.2011
München 16.05.-29.05.2011
Frankfurt/Main 21.05.-31.05.2011
Dresden 01.06.-05.06.2011
Kassel 04.06.-11.06.2011
Gießen 12.06.-18.06.2011
Weimar 20.06.-27.06.2011
Rotenburg/Wümme 25.06.-01.07.2011
Rottweil 04.07.-10.07.2011