Russlands Schulen weiten die militärische Grundausbildung aus. Gleichzeitig meldet das Innenministerium mehr Minderjährige in Verfahren wegen terroristischer Straftaten. Zwei Nachrichten zeigen, wie stark sicherheitspolitische Fragen den staatlichen Blick auf Jugendliche prägen.
Die militärische Grundausbildung erhält an russischen Schulen deutlich mehr Gewicht. Nach Angaben von Bildungsminister Sergej Krawzow beansprucht sie seit Beginn des neuen Schuljahres die Hälfte des Fachs „Grundlagen der Sicherheit und Verteidigung der Heimat“. Zuvor waren es 20 Prozent. Damit steigt ihr Anteil auf das Zweieinhalbfache.
Insgesamt sind für die Klassen acht bis elf 68 Unterrichtsstunden militärischer Grundausbildung vorgesehen. Davon entfallen jeweils 34 auf die beiden Klassenstufen acht und neun sowie zehn und elf zusammen. Die vom Minister genannte Stundenzahl verteilt sich somit auf vier Schuljahre. Innerhalb des Sicherheitsfachs wird militärische Vorbereitung zu einem Schwerpunkt.
Am selben Tag veröffentlichte Kommersant Zahlen des Innenministeriums über Minderjährige und Kriminalität. Demnach waren im ersten Halbjahr 2026 rund 50 Jugendliche in Verfahren wegen terroristischer Straftaten verwickelt. Das entspricht einem Anstieg um 28 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Diese Zahl bedarf einer Einordnung. Das Ministerium zählt zu der Kategorie neben Anschlägen auch die Unterstützung terroristischer Aktivitäten, öffentliche Aufrufe, Finanzierung und das Nichtmelden geplanter Straftaten. Wie sich die Fälle verteilen und wie viele rechtskräftige Verurteilungen vorliegen, geht aus der Meldung nicht hervor. Die Statistik lässt sich deshalb nicht als Zahl jugendlicher Attentäter lesen.
Jugendliche erscheinen in dem Bericht zugleich als Opfer: Rund 6.000 Minderjährige waren nach Angaben des Ministeriums von Cyberkriminalität betroffen, 35,5 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum. Die behördliche Bilanz beschreibt damit auch eine erhebliche Schutzbedürftigkeit im digitalen Alltag.
Zusammengenommen eröffnen die Nachrichten einen Blick auf unterschiedliche staatliche Erwartungen an die junge Generation. Die Schule soll Jugendliche stärker auf Aufgaben der Landesverteidigung vorbereiten. Die Sicherheitsbehörden beschäftigen sich mit ihnen als möglichen Beschuldigten und als gefährdeten Internetnutzern. Militärische Befähigung, Strafverfolgung und Schutz stehen dabei nebeneinander.
Ein ursächlicher Zusammenhang zwischen mehr Wehrunterricht und steigenden Fallzahlen ist durch die beiden Meldungen nicht belegt. Ebenso wenig beantworten sie die Frage, ob militärische Ausbildung Jugendliche widerstandsfähiger gegenüber Anwerbung und Manipulation macht. Dafür fehlen Angaben über Hintergründe, Lebensumstände und konkrete Tatvorwürfe.
Gerade daraus ergibt sich eine offene bildungspolitische Frage: Welche Fähigkeiten brauchen Jugendliche, um Gefahren zu erkennen, Druck zu widerstehen und selbstständig zu urteilen? Der größere militärische Anteil am Unterricht zeigt, welche Priorität das Bildungsministerium setzt. Ob damit auch den Gefährdungen begegnet wird, die das Innenministerium beschreibt, bleibt offen.

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