Zustimmung für Bach nach Russlands Olympia-Zulassung

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In einem Interview für die „Bild“-Zeitung verteidigt IOC-Präsident Thomas Bach ein weiteres Mal die Entscheidung, Russland nicht kollektiv von den Olympischen Spielen in Brasilien ausgeschlossen zu haben. Sippenhaft sei nicht moralisch, sagte er unter anderem. Und: „Es geht um Gerechtigkeit und nicht um Politik.“

Der „Bild“-Reporter war ganz offensichtlich darauf aus, den ehemaligen Olympiasieger im Fechten zu provozieren. So lautete eine Frage: „Hat sich Putin bei Ihnen bedankt, Herr Bach?“ Der deutsche Sportfunktionär verneint und entgegnet: „Genau solch eine Frage zeigt die einseitige Denkrichtung. Es ging für uns nicht um eine politische Entscheidung, es geht um Einzelfallgerechtigkeit.“

Die Einseitigkeit des deutschen Mainstreams

Für das deutsche Revolverblatt ist Bach „der meistgescholtene Mann Europas“. Aber der 62-Jährige lässt das nicht auf sich sitzen. Es habe „eine enorme Zustimmung“ gegeben; in „der weiten Welt“ sei sehr gut verstanden worden, dass es „auch im Sport keine Sippenhaft gibt“. Die Entscheidung sei Ausdruck „individueller Gerechtigkeit, auf die jeder Mensch Anspruch hat“.

Dass der IOC-Beschluss gerade in Deutschland so viel negative Resonanz hervorgerufen hat, ist für Bach der herrschenden Einseitigkeit zuschulden: „Es ist festzustellen, dass die Entscheidung in Deutschland vom Mainstream sehr einseitig betrachtet wird. Dabei wird überwiegend politisch argumentiert. Hier geht es jedoch um Gerechtigkeit und nicht um Politik. Gerechtigkeit muss unabhängig von politischen Einschätzungen sein.“

Ähnliche Situation wie 1992 in Deutschland

Für Bach gibt es eine interessante Parallele zu beobachten: Nach der Wiedervereinigung Deutschlands sei das Staatsdoping-System der DDR aufgedeckt worden, aber das habe sich in keinster Weise auf die Teilnahme der Deutschen an den Olympischen Spielen von 1992 ausgewirkt. Danach hätte „damals kein Mensch gerufen“, so der IOC-Chef.

Bach betont, die Aufarbeitung der Dopingsünden bei den Spielen 2014 in Sotschi sei ein Kapitel für sich. Die Zulassung der Russen zu den Spielen in Rio habe damit nichts zu tun. Es seien hier „keine Wintersportler dabei, sondern Sommersportler. Die Aufarbeitung ist mit Rio nicht vorbei. Weitere Sanktionen werden folgen. Wir haben bereits eine Kommission eingesetzt, die von einem ehemaligen französischen Verfassungsrichter geführt wird.“

Whistleblowerin Stepanowa hat vom System profitiert

Weiter verteidigt Bach die Entscheidung, die Doping-Informantin Julia Stepanowa von der Teilnahme in Rio zu suspendieren. Sie habe „über viele Jahre gedopt und von diesem System profitiert“. Und sie sei erst in dem Moment an die Öffentlichkeit getreten, als „das System sie nicht mehr schützen konnte und sie gesperrt wurde“.

Auf den Vorwurf des „Bild“-Journalisten, er würde die „weltweit herrschende Diskussion einfach wegwischen“, erklärte Bach: „Ich wische sie nicht weg, ich nehme nur das Recht in Anspruch, unsere Argumente darzulegen.“

[sb/russland.NEWS]