Wolgograd: Opferzahl erhöht – doch zweiter Selbstmordattentäter

Die Suche der Staatsanwaltschaft nach Tätern und Hintermännern hat begonnen

Nachdem in den Krankenhäusern in der Nacht drei Schwerverletzte an ihren Verwundungen verstorben sind, hat sich nach Informationen örtlicher Onlinezeitungen die Anzahl der Todesopfer des gestrigen ersten Bombenanschlags in Wolgograd auf den dortigen Bahnhof auf 17 gesteigert. 14 und nicht, wie zuerst gemeldet 15 Opfer hatte es direkt an der Stelle des Attentats gegeben.

Die Opfer der  beiden Bombenanschläge, gestern auf den Bahnhof, heute auf einen Trolleybus, stammen nicht nur aus Wolgograd selbst. Betroffen sind auch Reisende aus anderen Gegenden Russland wie Moskau und Udmurtien sowie Armenier. Die Bushaltestelle als Ort des zweiten Anschlags befand sich unmittelbar in der Nähe eines belebten Marktes im Wolgograder Vorort Dserschinsk. Bei beiden Anschlägen wurden sehr starke Sprengsätze eingesetzt. Die Bombe, die im Bus explodierte, sprengte nicht nur dessen Dach auf, sondern ließ auch noch die Fensterscheiben in einem nahen Haus zerspringen. Sie hatte nach jüngsten Meldungen die Leistung von etwa vier Kilogramm TNT.

Bei der zweiten Explosion im Bus gibt es über den oder die Täten unterschiedliche Meldungen. Während frühere Berichte, etwa der ARD (dort immer noch online), von einem per Handy aus der Ferne gezündeten Sprengsatz ausgingen, gibt es nun von örtlichen Onlinemedien  wie der Zeitung v1.ru Berichte von einem männlichen Selbstmordattentäter. Von diesem habe man neben anderen Leichteilen einen Finger gefunden und könne ihn deshalb unter Umständen identifizieren. Eine genetische Untersuchung des Körpers des Attentäters sei bereits im Gange. Die Täterin des ersten Anschlags im Bahnhof ist mittlerweile ermittelt. Es handelt sich um eine 26jährige Turkmenin, die zuletzt in Dagestan gelebt hat und die Verbindungen zu dortigen Islamisten hatte.

Islamische Organisationen in Russland verurteilten den Anschla scharf und sprachen den Opfern ihr Mitgefühl aus. Die Gebietsregierung von Wolgograd forderte die Bevölkerung zu Ruhe und Wachsamkeit auf. Sie kündigte auch an, die Bestattungskosten für die Opfer der Anschläge sowie die Behandlungskosten für die Verletzten zu übernehmen.

Update 11:00 Uhr MEZ: Nach einer offiziellen Mitteilung des Untersuchungskomitees wurde bei beiden Terroranschlägen ein identischer Sprengstoff verwendet. Ebenso wurde die Nachricht von einem zweiten Selbstmord-Attentäter bestätigt, einem Mann. Der zeitweise auch von deutschen Mainstream-Medien wie der ARD verbreitete Falschmeldung, es habe sich im Bus um einen ferngezündeten Sprengsatz gehandelt, wurde damit offiziell widersprochen. Die Bauart beider Bomben sei nahezu identisch gewesen.

Roland Bathon, russland.RU Wolgaregion und Ural; Foto: Gebietsverwaltung Wolgograd; unten die Lage der beiden Anschlagsorte im Stadtgebiet