WM-Auslosung die Erste – Ohne Skandal geht schon mal gar nix!

Abbildung: CC BY 2.0/Abl Skipp via flickr Abbildung: CC BY 2.0/Abl Skipp via flickr
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St. Petersburg – Na das wäre doch mal ein Ding gewesen. Die Qualifikationsgruppen der Fussball-Weltmeisterschaft werden ausgelost, der Blatter Sepp kommt eigens aus seinem sicheren Domizil, der Schweiz, nach Russland und der Torjäger von Zenit St. Petersburg gibt die Losfee. War zumindest so geplant.

Aber, es gibt prompt schon wieder eine Änderung im Protokoll. Die Losfee wurde kurzerhand ausgeladen. Es wäre aber auch zu schön gewesen. Eine harmonische Party, die Welt zu Gast bei Freunden, Sie wissen schon. Halt der ganze Kram, den eine Veranstaltung dieser Größenordnung so mit sich bringt. Und pitsch-patsch, einfach so aus heiterem Himmel, haben wir schon wieder das erste Skandälchen. Nun darf die Losfee nicht mehr zaubern. Trotz 37 Millionen Euro Marktwert, so das Portal transfermarkt.de, steht fest: Der Hulk ist Schuld.

Nun, vermutlich ist das eine der goldenen Regeln im Leben. Was gerade noch als eitel Sonnenschein angekündigt war, steht mit einem Mal unter einer tiefst dunklen Regenwolke. Derjenige, der den kalten Schauer ausbaden darf nennt sich Hulk. Genau, der aus den guten alten Marvell-Comics, und der fragt sich nun, warum ausgerechnet er plötzlich im Kreuzfeuer der Kritik steht. Nur weil er wahre Worte in den Mund nahm? Laut seinem Pass heißt er ja eigentlich Givanildo Vieira de Souza. Kompliziert sagen Sie? Finden wir auch! Einigen wir uns auf „Hulk“.

Der Hulk ist Schuld!

Tja, eben dieser Givanildo Vie… Ach lassen wir das und bleiben einfach bei Hulk. Eben jener sollte bei der Auslosungsgala der FIFA in den Lostöpfen wühlen, um die Paarungen der Qualifikation fest zu nageln. Dummerweise hat er sich aber nach den jüngsten Entgleisungen russischer Fussball-“Fans“ despektierlich über die Sitten und Gebräuche im russischen Fußball geäußert. Fand der russische Verband gar nicht gut, jetzt wühlt stattdessen ein anderer in den Kristallschalen der FIFA. Auf die Schnelle, quasi in letzter Sekunde, wurde der Brasilianer gegen früheren russischen Nationalmannschafts-Kapitän Alexey Smertin ausgetauscht.

Hulks Mannschaftskollege Alexander Kerschakow sollte eigentlich auch aktiv an der Veranstaltung teilnehmen. Doch, nach seiner Verbannung aus dem Kader Zenit St. Petersburgs, scheint auch der keine allzugroße Lust mehr auf das FIFA-Remmidemmi zu haben. Zudem der Weltverband derzeit mit unüberhörbarer Kritik überhäuft wird. Die deutlichsten Worte für das drunter und drüber fand der US-Senator Richard Blumenthal. Zu den Vorfällen bei der FIFA meinte er süffisant:

„Die Ermittlungen in der Sache haben ergeben, dass der Fußball von einer Organisation regiert wurde, die an ein kriminelles Mafia-Syndikate erinnert. Die einzigen Bedenken, die man bei der Verwendung des Begriffs ,Mafia‘ im Zusammenhang mit der FIFA haben könnte, sind, dass man damit die Mafia beleidigen würde. Die würde Korruption niemals so offensichtlich, schamlos und arrogant betreiben.“ Starker Tobak vom Herrn Senator.

Nun ja Brot und Spiele eben. Gut, ein bisschen Geld spielt natürlich auch noch mit. Wir bleiben jedenfalls für Sie am Ball, beziehungsweise an den Lostöpfen, um Ihnen vom Ausgang der Losung zu den Qualifikationsrunden zu berichten. Wesentlich mehr Stress dürfte der russische Präsident Wladimir Putin haben. Im Anschluss der Veranstaltung muss er bereits schon wieder weiter nach Kaliningrad, um in Baltisk den „Tag der Seekriegsflotte“ zu zelebrieren. Herr Präsident, wir wünschen Ihnen im Namen der Redaktion ein schönes Wochenende.

[mb/russland.RU]

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.