Russlands Luftfahrtschau MAKS fällt erneut aus

Russlands Luftfahrtschau MAKS fällt erneut aus

Die internationale Luft- und Raumfahrtschau MAKS in Schukowski bei Moskau wird auch 2026 nicht stattfinden. Offiziell nennt die russische Regierung keine Gründe. Doch die wiederholte Absage zeigt, wie stark Krieg, Sicherheitslage und Sanktionen ein früheres Vorzeigeformat der russischen Luftfahrtindustrie verändert haben.

Die einst wichtigste russische Luft- und Raumfahrtschau MAKS fällt erneut aus. Nach einem am Donnerstag veröffentlichten Regierungsbeschluss wird der für 2026 geplante Internationale Luft- und Raumfahrtsalon nicht stattfinden. Auch der „Gidroawiasalon“, eine Ausstellung zur Wasserflugzeugtechnik, wird auf 2027 verschoben. Gründe für die Entscheidung werden in dem Dokument nicht genannt.

Die MAKS wurde seit 1993 traditionell alle zwei Jahre auf dem Gelände des Gromow-Flugforschungsinstituts in Schukowski bei Moskau veranstaltet. Zuletzt fand die Schau 2021 in Präsenz statt. Danach wurde sie mehrfach verschoben oder in reduzierter Form ersetzt. Russische Medien sprechen inzwischen von der vierten Absage beziehungsweise Verschiebung in Folge. Im Sommer 2025 hatte die MAKS lediglich als Onlineformat eMAKS stattgefunden, mit Präsentationen und Flugvorführungen per Video.

Offiziell bleibt die Absage knapp begründet – oder besser: unbegründet. „Kommersant“ verweist lediglich auf das Regierungsdokument, aus dem hervorgeht, dass MAKS-2026 gestrichen wurde. „Expert“ schreibt ebenfalls, Ursachen würden nicht genannt. Zugleich erinnert das Medium daran, dass bereits 2025 unter Berufung auf eine Quelle Sicherheitsüberlegungen als Hauptgrund genannt worden waren.

Diese Erklärung liegt auch 2026 nahe. Große öffentliche Veranstaltungen in Russland stehen seit Beginn des Krieges gegen die Ukraine unter verschärften Sicherheitsbedingungen. In den vergangenen Wochen kam es wiederholt zu ukrainischen Drohnenangriffen auf russische Regionen, darunter auch auf den Raum Moskau. Flughäfen mussten zeitweise den Betrieb einschränken, der Luftraum wurde immer wieder kurzfristig geschlossen. Eine Luftfahrtschau mit internationaler Symbolik, großen Menschenmengen, Fluggerät, Militärtechnik und Medienpräsenz wäre unter diesen Umständen besonders sensibel.

Die MAKS war über Jahre mehr als eine Fachmesse. Sie war Schaufenster der russischen Luft- und Raumfahrtindustrie, Bühne für militärische und zivile Flugzeugprogramme, Treffpunkt für Delegationen aus dem Ausland und Ort für Vertragsabschlüsse. In besseren Zeiten präsentierte Russland dort seine Kampfflugzeuge, Hubschrauber, Raumfahrttechnik und Zivilflugzeugprojekte – mit dem Anspruch, technologisch auf Augenhöhe mit den großen Luftfahrtnationen zu stehen.

Gerade deshalb ist die wiederholte Absage ein symbolischer Einschnitt. Der russische Luftfahrtsektor steht seit 2022 unter starkem Druck. Westliche Sanktionen erschweren den Zugang zu Bauteilen, Triebwerken, Avionik, Software, Wartung und internationalen Märkten. Die zivile Luftfahrt muss westliche Maschinen mit begrenztem Zugang zu Ersatzteilen weiter betreiben, während russische Ersatzprogramme wie der Superjet New oder die MS-21 immer wieder mit Verzögerungen kämpfen. Im militärischen Bereich hat der Krieg Prioritäten verschoben: Produktion, Reparatur und Modernisierung dienen vor allem dem unmittelbaren Bedarf der Streitkräfte.

Gleichzeitig ist das internationale Umfeld einer Messe wie MAKS geschrumpft. Viele westliche Hersteller, Zulieferer und Delegationen kommen nicht mehr nach Russland. Damit verliert die Schau einen Teil ihres früheren Zwecks: nicht nur zu zeigen, was Russland kann, sondern auch sichtbar in einem globalen Luftfahrtmarkt präsent zu sein. Übrig bliebe vor allem eine nationale oder auf wenige befreundete Staaten beschränkte Leistungsschau – politisch kontrollierbarer, aber wirtschaftlich und technologisch weniger attraktiv.

Interessant ist, dass andere Formate für 2027 weiter eingeplant werden. Der Gidroawiasalon soll im September 2027 in Gelendschik stattfinden. Zudem ist für Mai/Juni 2027 in Kasan ein internationaler Salon für Hubschraubertechnik und Luftfahrtsysteme vorgesehen. Das deutet darauf hin, dass Moskau nicht grundsätzlich auf Branchenpräsentationen verzichten will. Die traditionelle MAKS in Schukowski aber ist offenbar zu groß, zu exponiert und sicherheitspolitisch zu riskant geworden.

Die erneute Absage ist damit mehr als eine organisatorische Verschiebung. Sie zeigt, wie sehr sich Russlands öffentliche Inszenierung technologischer Stärke seit Kriegsbeginn verändert hat. Wo früher Flugshows, Exporthoffnungen und internationale Verträge im Mittelpunkt standen, dominieren heute Sicherheitsfragen, Sanktionsfolgen und die Umstellung auf eine Kriegswirtschaft. Die MAKS war einmal ein Symbol russischer Luftfahrtambitionen. Dass sie nun wieder ausfällt, ist selbst zu einem Symbol geworden.

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