WM 2018: Nun müssen sie nur noch spielen

Foto: Kreml

750.000 Eintrittskarten seien für die Fußball-Weltmeisterschaft 2018 in Russland bereits verkauft worden, heißt es bei der FIFA. Alle elf Wettkampfarenen würden bis zur Eröffnung am 14.Juni 2018 fertig sein, versprechen die Russen. Nun fehlt nur noch das Wichtigste: Wer spielt gegen wen?

Eine Dreiviertelmillion Eintrittskarten habe man bislang verkauft, ließ die FIFA, der Dachverband des Weltfußballs, vor kurzem verkünden. Das ist mehr als beeindruckend, denn der Verkauf geht noch weiter. Das Interesse an dem Turnier in Russland im kommenden Jahr ist so groß wie selten zuvor. Das mag vielleicht daran liegen, dass viele dadurch auch ihre touristische Neugier für das Land stillen können. Die meisten Kartenbestellungen jedoch seien ohnehin aus Russland selbst eingegangen, heißt es. Weitere 47 Prozent der Interessenten kämen aus den USA, China, Brasilien, Deutschland, Mexiko, Argentinien, Israel und England. Sogar aus Australien wollen viele anreisen.

Die 32 Teams, die an der WM 2018 teilnehmen werden, stehen seit kurzem fest. Die Auslosung, die heute im Kreml in Moskau stattfand, sollte vorerst der letzte große Spannungsbogen des ersten Fußball-Weltturniers auf russischem Boden sein.

Wer gegen wen? Für den Iran, dessen Nationalmannschaft ebenfalls zu den Teilnehmern zählt, stand zunächst aber eine ganz andere Frage im Raum: Wird die Garderobe Maria Komandnajas, der Moderatorin des Events, auch den strengen Kriterien der iranischen TV-Sittenwächter standhalten können? Verzweiflung machte sich im Internet unter den iranischen Anhängern breit, die zu Tausenden rührig an Komandnaja appellierten. Sie selbst habe darauf keinen Einfluss, sagte sie. Das entscheide alleine die FIFA. Die entschied, um es vorwegzunehmen – nun ja, das könnte im Iran gerade noch durchgehen – TV-konform.

Eröffnet wurde die große Los-Show im deutschen Fernsehen durch die Mainzelmännchen. Im Konzertsaal des Kreml durch einen Kessel Buntes und Präsident Wladimir Putin. Business as usual, ohne Tanz- und Gesangseinlage geht es einfach nicht. In dem Fall auch nicht ohne Fußball. Ob es die salbungsvoll gestammelten Huldigungen eines Miroslaw Kloses, der als Ex-Weltmeister und WM-Rekordtorschütze den Pokal präsentierte, dazu unbedingt gebraucht hätte sei dahingestellt.

Die Fußball-Legenden Gordon Banks, Nikita Simonjan, Diego Forlan, Diego Armando Maradonna, Le Blanc, Cafu, Carlos Puyol und Fabio Cannavaro repräsentierten die Mannschaften, die in den Lostöpfen gesetzt waren. Die englische Verkörperung des Fairplay, Gary Linecker, spielte die Losfee. Acht Gruppen galt es zu besetzen. Der Konzertsaal verstummte in ehrfurchtsvollem Schweigen, die Verantwortlichen der teilnehmenden Teams vergruben sich hinter Notizzetteln. Bleibt fraglich wozu, spätestens morgen steht es ja ohnehin in jeder Zeitung.

Folgende Gruppen wurden am Ende ausgelost:

Gruppe A Russland, Uruguay, Ägypten, Saudi Arabien

Gruppe BPortugal, Spanien, Iran, Marokko

Gruppe C Frankreich, Peru, Dänemark, Australien

Gruppe DArgentinien, Kroatien, Island, Nigeria

Gruppe EBrasilien, Schweiz, Costa Rica, Serbien

Gruppe FDeutschland, Mexiko, Schweden, Süd-Korea

Gruppe GBelgien, England, Tunesien, Panama

Gruppe HPolen, Kolumbien, Senegal, Japan

Damit stehen auch die beiden Mannschaften fest, die am 14. Juni 2018 im Moskauer Luschniki-Park das Eröffnungsspiel zur 21. Fußball-Weltmeisterschaft austragen werden: Gastgeber Russland trifft auf Saudi Arabien.

Soweit ist jetzt alles komplett. Die Stadien in Moskau, St. Petersburg, Kasan, Wolgograd, Jekaterinburg, Kaliningrad, Samara, Sotschi, Rostow am Don, Nischni Nowgorod und Saransk sind fertig oder sollen es spätestens bis zum Turnierbeginn werden. Die Spielorte werden von russland.NEWS noch alle noch einmal zu einem späteren Zeitpunkt vorgestellt.

Ebenso können die Graphiker nun ihre Zeichengeräte aus der Hand legen, denn auch die jeweiligen Poster zu den Spielstätten sind alle fertig gestaltet, so dass sie in die Druckereien gegeben werden können. Auch ihnen werden wir zu gegebener Zeit noch besondere Aufmerksamkeit widmen. Einzig dem offiziellen Hauptplakat des Turniers soll an dieser Stelle besondere Beachtung geschenkt werden. Es zeigt die einstige sowjetische Torwartlegende Lew Jaschin vor einem im Retro-Look der Propagandaplakate der ehemaligen UdSSR gestalteten Hintergrund.

Lew Jaschin stand von 1958 bis 1970 im Tor der sowjetischen Fußballauswahl. An sage und schreibe vier Weltmeisterschaften hat das Urgestein der russischen Torhüter teilgenommen. 1956 holte er bei den Olympischen Sommerspielen in Melbourne im Team der UdSSR die Goldmedaille. 1960 wurde er Europameister. Im selben Jahr wurde Lew Jaschin offiziell zum besten Torhüter des 20. Jahrhunderts gekürt und drei Jahre später verlieh man ihm den begehrten Ballon d’Or. Mit Dynamo Moskau, dem Verein, dem Jaschin stets treu geblieben war, wurde er fünfmaliger sowjetischer Fußballmeister und vier mal sowjetischer Pokalsieger. Seine unzähligen Orden, die er im Lauf seiner Karriere verliehen bekommen hat, würden hier den Rahmen sprengen.

Auf dem Plakat ist jedoch noch eine andere sowjetische Legende zu sehen: Die Strahlen, die von dem Ball ausgehen, den Jaschin elegant mit einer Hand pariert, erinnern nicht von ungefähr an das Raumschiff Wostok-1, mit dem der Kosmonaut Juri Gagarin im April 1961 als erster Mensch die Erde im Orbit umkreiste. „Mütterchen Russland“ wurde von dem russischen Künstler Igor Gurovitsch auf der oberen Hälfte des Balls dargestellt. „Es war für uns sehr wichtig, Russland als Gastgeberland im offiziellen Poster zu zeigen“, erklärte Witali Mutko, der stellvertretende Regierungschef Russlands, Fußball-Verbandspräsident und Vorsitzender des Lokalen WM-Organisationskomitees in Personalunion, bei der Präsentation des Plakats.

Es ist also angerichtet zur 21. Fußballweltmeisterschaft in Russland vom 14. Juni bis 15. Juli 2018 – jetzt müssen sie nur noch spielen.

[mb/russland.NEWS]